Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Astrozytome und Oligodendrogliome

Last updated: 13.10.2020

Abstract

Astrozytome und Oligodendrogliome sind primäre Hirntumoren aus der Gruppe der Gliome (syn. neuroepitheliale Tumoren). Astrozytome unterteilen sich gemäß WHO in vier Grade: Vom langsam wachsenden pilozytischen Astrozytom (Grad I), das typischerweise bei Kindern auftritt und sich in der Regel kurativ resezieren lässt, über die diffusen Astrozytome (Grad II bis III) bis hin zum schnell wachsenden Glioblastom (Grad IV). Bei den Oligodendrogliomen unterscheidet man zwei WHO-Grade (II und III), wobei es sich bei letzterem um das aggressivere anaplastische Oligodendrogliom handelt.

Astrozytome und Oligodendrogliome können neben den allgemeinen Symptomen von Hirntumoren in Abhängigkeit von ihrer Lokalisation zusätzlich Herdsymptome wie progrediente Paresen oder Aphasien zeigen. Ab WHO-Grad II ist bei beiden Entitäten keine kurative Resektion mehr möglich, sodass nach symptomorientierter Teilresektion die adjuvante Radiochemotherapie Mittel der Wahl ist, um den Tumorprogress zu verzögern.

Molekulare Biomarker

Die WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems unterscheidet die Tumoren nicht nur nach dem Phänotyp (d.h. der Histopathologie), sondern teilweise auch nach dem Genotyp, d.h. nach definierten genetischen Abweichungen im Tumorgewebe (sog. molekulare Biomarker). Die wichtigsten molekularen Biomarker dieser Tumoren sind:

BRAF-Fusionsgen

Mutation im Isocitratdehydrogenase-1- oder -2-Gen (IDH-mutiert)

MGMT-Promotor-Hypermethylierung

1p/19q-Kodeletion

Astrozytome

WHO-Grad

Typ

Mittleres Erkrankungsalter

Lokalisation/Symptome Diagnostik Therapie

Mediane Überlebenszeit unter Therapie

I
  • Pilozytisches Astrozytom
  • 10. Lebensjahr
  • Resektion
  • Heilung möglich
II
  • Diffuses Astrozytom, IDH-mutiert
  • Diffuses Astrozytom, IDH-Wildtyp
  • 35. Lebensjahr
  • 11 Jahre
III
  • Anaplastisches Astrozytom, IDH-mutiert
  • Anaplastisches Astrozytom, IDH-Wildtyp
  • 37. Lebensjahr
  • 9 Jahre
IV
  • 62. Lebensjahr
  • 10–15 Monate
IV
  • Glioblastom, IDH-mutiert
  • 45. Lebensjahr
  • 2,0–2,5 Jahre

Sonderform Hirnstammgliom

Oligodendrogliome

Meditricks

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Glioblastome

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Louis et al.: The 2016 World Health Organization Classification of Tumors of the Central Nervous System: a summary. In: Acta Neuropathologica. Band: 131, 2016, doi: 10.1007/s00401-016-1545-1 . | Open in Read by QxMD p. 803-820.
  2. Reuss et al.: IDH mutant diffuse and anaplastic astrocytomas have similar age at presentation and little difference in survival: a grading problem for WHO. In: Acta Neuropathologica. Band: 129, 2015, doi: 10.1007/s00401-015-1438-8 . | Open in Read by QxMD p. 867-873.
  3. Weller et al.: Gliome: Aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie In: Deutsches Ärzteblatt. Band: 113, 2016, doi: 10.3238/PersOnko . | Open in Read by QxMD p. 18-20.
  4. Recht et al.: Management of low-grade glioma In: UpToDate. 2017, .
  5. International Agency for Research on Cancer: WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System. World Health Organisation 2016, ISBN: 978-9-283-24492-9 .
  6. van den Bent: Clinical features, pathology, and prognostic factors for oligodendroglial tumors In: UpToDate. 2015, .