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Asthma bronchiale

Letzte Aktualisierung: 27.5.2021

Abstracttoggle arrow icon

Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer reversiblen bronchialen Obstruktion und/oder mit einem hyperreagiblen Bronchialsystem einhergeht. Das klinische Bild ist variabel: Es reicht von leichten Verläufen mit nur rezidivierendem Husten oder Räusperzwang bis hin zu intermittierend (ggf. anfallsartig) auftretender Luftnot mit pfeifender Atmung und auskultatorischem Giemen und Brummen. Anamnestisch sind oft bereits in der Kindheit respiratorische Symptome eruierbar. Diagnostisch wegweisend sind v.a. die Anamnese sowie die Befunde von Lungenfunktionsmessung und Allergiediagnostik.

Die Genese ist multifaktoriell, sodass es diverse Einteilungen gibt. Die wichtigste Unterform ist das allergische Asthma bronchiale, das neben der rein symptomatischen Therapie auch kausal mittels Allergenkarenz und Allergen-Immuntherapie (sog. „Hyposensibilisierung“) behandelt werden kann. Bei einem allergischen sowie eosinophilen Asthma können auch sog. Biologicals zum Einsatz kommen.

Die antientzündliche Dauertherapie erfolgt i.d.R. mit inhalativen Corticosteroiden (ICS) und ggf. langwirksamen bronchienerweiternden Medikamenten. Die akute Asthmasymptomatik wird mit schnellwirksamen β2-Sympathikomimetika (insb. Salbutamol) und, wenn notwendig, mit systemischen Corticosteroiden durchbrochen. Eine gute Patientenschulung ist essentiell, insb. zur richtigen Applikation der Substanzen und zum Vorgehen im Notfall. Je nach Verlauf ist eine Eskalation oder Deeskalation der Medikation anhand des Stufenschemas sinnvoll. Bei einem akuten Asthmaanfall besteht Lebensgefahr, weshalb ein notfallmäßiger Transport in die Klinik indiziert ist!

Für eine fokussierte Betrachtung pädiatrischer Aspekte des Asthma bronchiale siehe Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen.

  • Asthma bronchiale: Chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit reversibler bronchialer Obstruktion und/oder hyperreagiblem Bronchialsystem [1][2]
  • Exazerbation des Asthma bronchiale (sog. akutes Asthma): Akute Phase mit Symptomzunahme und/oder Abnahme der Lungenfunktion, die über das gewohnte Maß hinausgeht
    • Asthmaanfall: Akut einsetzende, schwere Asthmaexazerbation, die sich fulminant innerhalb von wenigen Minuten entwickelt und schnell lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann
    • Status asthmaticus: Vital bedrohlicher Asthmaanfall mit Ortho- und Tachypnoe, Tachykardie und Zyanose, der trotz adäquater Therapie mind. 24 Stunden andauert
  • Prävalenz [1]
    • ca. 10% aller Kinder
    • ca. 5% aller Erwachsenen
  • Häufigkeit: Etwa 300 Millionen Menschen weltweit betroffen
    Mortalität: Weltweit etwa 250.000 Todesfälle pro Jahr infolge eines Asthma bronchiale
  • Geschlecht:

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Risikofaktoren [1]

Folgende Faktoren beeinflussen die Entstehung und den Verlauf des Asthma bronchiale.

  • Endogene Risikofaktoren
    • Genetische Prädisposition
    • Erhöhtes Körpergewicht
    • Psychosoziale Belastungen
  • Exogene Risikofaktoren
    • Allergene
    • Infektionen
    • Umweltbedingungen
    • Berufliche Noxen
    • Chemisch-toxische Stoffe, bspw. Haarspray
    • Tabakrauch
    • Kalte und/oder trockene Luft
    • Ernährung
    • Medikamente

Eine Tabakrauchexposition erhöht das Asthmarisiko im Kindesalter!

Komorbiditäten bei Asthma bronchiale [1]

Aufgrund der Assoziation des Asthma bronchiale mit anderen Erkrankungen sollte unbedingt daran gedacht werden, bei Hinweisen eine entsprechende Diagnostik einzuleiten .

Auslöser eines akuten Asthmaanfalls oder einer Exazerbation [1][4]

Bei der Unterteilung in verschiedene Asthmaformen sind vor allem die multifaktoriellen Ursachen zu beachten. Die Klassifizierung in verschiedene Subtypen ist daher als fließend anzusehen.[1]

Allergisches vs. nicht-allergisches Asthma bronchiale

Die Identifizierung des allergischen Asthma bronchiale ist entscheidend, weil hier spezifische Therapieoptionen wie die Allergenkarenz, die Allergen-Immuntherapie (AIT) und Biologicals zur Verfügung stehen.

Allergisches Asthma bronchiale

  • Synonym: Extrinsisches Asthma
  • Kriterien: Nachweis spezifischer IgE-Antikörper (atopische Diathese) plus Allergenbezug zur Asthmasymptomatik
    • Erhöhtes Gesamt-IgE im Serum: Vermutlich eigenständiger Asthmaindikator, der nicht unbedingt auf eine Allergie hindeutet (anders als erhöhte spezifische IgE-AK)
  • Prävalenz
    • ca. 30% aller Asthmatiker
    • Häufigste Form des Asthma bronchiale bei Kindern
  • Alter
    • Meist im Kindesalter
    • Transiente Verlaufsform: Häufiges Verschwinden der Symptomatik in der Pubertät, manchmal Wiederauftreten im Erwachsenenalter
  • Auslösende Allergene
    • Saisonal: Pollen, Schimmelpilz
    • Nicht-saisonal (perennial=ganzjährig): Hausstaubmilben , Tierepithelien
    • Berufsbedingt: Bspw. Mehlstaub (Bäckerasthma)
  • Besonderheiten der Therapie
    • Allergenkarenz: Hausstaubmilbensanierung, Expositionsvermeidung bei Tierepithelallergie
    • Allergen-Immuntherapie bei Asthma bronchiale (AIT) [5]
    • ICS-Therapie
      • Indikation: Bei rein saisonalem allergischen Asthma
      • Therapiezeitraum: Nur in der Allergiesaison, ab dem Auftreten der ersten Symptome bis 4 Wochen nach Saisonende

Nicht-allergisches Asthma bronchiale

  • Synonym: Intrinsisches Asthma
  • Kriterien: Kein Nachweis spezifischer IgE-Antikörper und fehlende Allergiesymptomatik
  • Prävalenz: ca. 30–50% aller erwachsenen Asthmatiker
  • Alter: Insb. >40 Jahre
  • Auslösender Faktor: Insb. Atemwegsinfekte

Mischform aus extrinsischem und intrinsischem Asthma

Anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion

  • Synonym: Belastungsasthma
  • Kriterien: Bronchiale Obstruktion nur oder insb. bei körperlicher Belastung, siehe: Belastungs-Lungenfunktion
  • Ätiologie: Unklar, insb. bei Ausdauersportlern gehäuftes Auftreten von anstrengungsinduziertem sowie belastungsunabhängigem Asthma
  • Therapie

Die Verwendung von β2-Sympathomimetika bei Leistungssportlern unterliegt den Regularien der WADA (World Anti-Doping Association)!

Analgetika-Asthma

GERD-assoziiertes Asthma [6]

Eosinophiles Asthma bronchiale [1]

Weitere Unterformen [1]

Grad der Asthmakontrolle [1][8]

Grad der Asthmakontrolle Symptome tagsüber Einschränkung von Alltagsaktivitäten

Nächtliche Symptome oder nächtliches Erwachen

Notwendigkeit von Bedarfsmedikation oder Notfallbehandlung

Kontrolliertes Asthma

≤2× pro Woche

Nein

Nein

≤2× pro Woche

Kontrolliertes Asthma bei Kindern Nein Nein Nein Nein

Teilweise kontrolliertes Asthma:

1–2 Kriterien

>2× pro Woche

Ja

Ja

>2× pro Woche

Unkontrolliertes Asthma:

≥3 Kriterien

Prognosebestimmung bzgl. zukünftiger Verschlechterung:

  • Lungenfunktion: Atemwegsobstruktion
  • Exazerbationen : Keine / ≥1 pro Jahr / in der aktuellen Woche

Asthma-Schweregrad

Der Asthma-Schweregrad wird im Verlauf bei bereits therapierten Patienten bestimmt, nicht bei Erstdiagnose. Er richtet sich danach, auf welcher Stufe der Patient behandelt wird (siehe Stufentherapie des Asthma bronchiale) und wie der Grad der Asthmakontrolle ist.

  • Leichtes Asthma: Kontrolliertes Asthma auf Therapiestufe 1 oder 2
  • Mittelgradiges Asthma: Kontrolliertes Asthma auf Therapiestufe 3 oder 4
  • Schweres Asthma [2]
    • Kriterien: Therapie mit ICS in Höchstdosis und mind. 1 zusätzlichen Langzeitmedikament (LABA oder LTRA) oder OCS >6 Monate/Jahr plus mind. 1 der folgenden Punkte
      • Teilweise kontrolliertes oder unkontrolliertes Asthma
      • Schwere Exazerbationen: ≥1 Exazerbation mit stationärer Behandlung oder Beatmung in den letzten 12 Monaten
      • Häufige Exazerbationen: ≥2 corticosteroidpflichtige Exazerbationen in den letzten 12 Monaten
      • Atemwegsobstruktion: FEV1 <80% des Sollwertes (FEV1/VC < LLN)
    • Zusätzlich wird unterschieden:
      • Untreated Severe Asthma: Durch fehlende Therapie
      • Difficult-to-treat severe Asthma: Durch Incompliance, Komorbiditäten oder Triggerpersistenz
      • Treatment-resistant severe Asthma: Trotz korrekter Einnahme der empfohlenen Medikamente in höheren Dosen

Klassifikation der Asthmaschweregrade bei Erstdiagnose

Diese Tabelle wird nicht mehr verwendet. Die Therapie richtet sich nach dem Grad der Asthmakontrolle und nicht nach dem Schweregrad.

Asthmaschweregrad Symptomatik bei Erstdiagnose Lungenfunktion
Am Tag In der Nacht Exazerbationen FEV1 oder PEF vom Soll PEF-Tagesvariabilität

I = Intermittierend

<1× pro Woche

≤2× pro Monat

Kurz (Stunden bis Tage anhaltend), kaum Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher Aktivität

≥80%

<20%

II = Geringgradig-persistierend

<1× pro Tag; >1× pro Woche

>2× pro Monat

Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher Aktivität

≥80%

20–30%

III = Mittelgradig-persistierend

Täglich

>1× pro Woche

Beeinträchtigung von Schlaf und körperlicher Aktivität

60–80%

>30%

IV = Schwergradig-persistierend

Täglich mit hoher Intensität

Häufig

Sehr häufig, ständige Beeinträchtigung des Alltags

<60%

>30%

Bei Vorhandensein eines der Kriterien wird der Patient in die entsprechende Kategorie eingeordnet.

Pathophysiologische Ursachen [1]

Die folgenden zellulären Systeme können unterschiedlich stark betroffen sein und sich gegenseitig bedingen, wodurch ein variables Krankheitsbild entsteht und sich verschiedene Diagnostik- und Therapieoptionen beim einzelnen Patienten ergeben. Allen Patienten gemein ist i.d.R. jedoch die bronchiale Hyperreagibilität.

Eine allergische Sensibilisierung ist der häufigste Auslöser des Asthma bronchiale!

Pathogenetische Folgen

Atemflusslimitierung durch vier Mechanismen

  1. Bronchospasmus
  2. Schleimhautödem und entzündliche Schleimhautinfiltration mit Hyperplasie der Becherzellen und Verdickung der Basalmembran
  3. Remodeling der Bronchialwände mit Hypertrophie der glatten Muskulatur
  4. Vermehrte Produktion zähen Schleims

Allgemeine Symptomatik

  • Chronischer Husten oder Räusperzwang, teilweise auch als primär einziges Symptom
  • Kurzatmigkeit/Dyspnoe
  • Häufig atopische Komorbiditäten, bspw. atopisches Ekzem

Exazerbation und Asthmaanfall

  • (Anfallsartig auftretende) Luftnot und exspiratorische Atemgeräusche mit Giemen, Brummen und pfeifender Atmung
  • Brustenge, Erstickungsangst
  • Thorakale Einziehungen
  • Trockener Husten
  • Auftreten insb. nachts und früh morgens
  • Häufig nur episodenhafte Beschwerden, bspw. bei
    • Saisonal auftretenden Allergenen
    • Infekten (bevorzugt im Winter)
    • Körperlicher Anstrengung

Bei einer Exazerbation oder einem Asthmaanfall ist eine Therapieintensivierung notwendig!

Diagnose-Kriterien des Asthma bronchiale [1]

Diagnose Asthma bronchiale gesichert

Die Diagnose Asthma bronchiale gilt als gesichert bei charakteristischer Symptomatik + Nachweis einer Obstruktion + Reversibilität!

Diagnose Asthma bronchiale wahrscheinlich

  • Typische Klinik und Anamnese
  • plus Nachweis einer Bronchialobstruktion (FEV1/VC (Tiffeneau-Index) < LLN ) und Teilreversibilität
  • plus eines der folgenden Merkmale:
    • Ansprechen auf antiinflammatorische Therapie, spätestens nach 4 Wochen (Lungenfunktion und Klinik)
    • oder Ansprechen auf antiinflammatorische Therapie, spätestens nach 4 Wochen (nur Klinik)
    • oder signifikanter FEV1-Abfall während oder innerhalb von 30 Minuten nach körperlicher Belastung , ggf. Zunahme des spezifischen Atemwegswiderstandes (erfasst den Grad der Atemwegsobstruktion und der Überblähung) um mind. 100% auf >2 kPa×sec
    • oder keine oder irreversible Bronchialobstruktion in der Lungenfunktion, aber Nachweis einer bronchialen Hyperreagibilität im Methacholin-Provokationstest oder PEF-Variabilität >10%

Diagnose Asthma bronchiale unwahrscheinlich

Erstdiagnostik bei Asthma bronchiale

Pädiatrische Aspekte siehe auch pädiatrische Asthmadiagnostik

Anamnese

  • Eigenanamnese
    • Asthmatypische Symptomatik (insb. nachts und früh morgens)
    • Bekannte Allergie oder allergietypische Symptome
    • Triggerfaktoren, die die Symptomatik begünstigen oder auslösen (bspw. Allergene, Infekte)
  • Familienanamnese: Atopie (Allergie, atopisches Ekzem oder Asthma bronchiale)
  • Sozial- und Berufsanamnese
    • Raucherhaushalt
    • Haustiere
    • Allergenexposition am Arbeitsplatz (bspw. Bäcker, Schreiner)

Labor [2]

Allergiediagnostik bei Asthma bronchiale

Lungenfunktionsdiagnostik bei Asthma bronchiale

  • Spirometrie: FEV1 <80% des Sollwertes, Tiffeneau-Index (FEV1/VC)↓ <70% = Obstruktive Ventilationsstörung mit Erhöhung des Atemwegswiderstandes
    • Schweregrade der Obstruktion: FEV1 >60-80% leichtgradig; >40–60% mittelgradig; <40% schwergradig [1]
  • Bodyplethysmographie (wenn möglich) : Zusätzliche Parameter zur Spirometrie
    • Erhöhung des Atemwegswiderstands (als Äquivalent der Obstruktion der oberen Atemwege)
      • sRtot [kPa*s] 1,2–2,0 leichtgradig; 2,0–4,0 mittelgradig; >4 schwergradig
      • Rtot [kPa*s/L] 0,3–0,5 leichtgradig; 0,5–1,0 mittelgradig; >1,0 schwergradig
    • Lungenüberblähung
      • RV%Soll >125% leichtgradige Überblähung; >140% mittelgradige Überblähung; >170% schwergradige Überblähung
      • RV/TLC%Soll >125% leichtgradige Überblähung; >140% mittelgradige Überblähung; >170% schwergradige Überblähung
  • Bronchospasmolysetest
    • Komplette Reversibilität der Obstruktion durch Bronchodilatatoren: Nachweis eines Asthma bronchiale
      • Im Gegensatz zur COPD ist bei Asthma die bronchiale Obstruktion durch Bronchospasmolyse deutlich reversibel: Anstieg des FEV1 um mindestens 12% UND um 200 mL
    • Teilreversibilität: Therapieversuch mit hochdosierten ICS ± weiteren Antiasthmatika für 4 Wochen und anschließender Reversibilitätsprüfung

Bei fehlendem oder nur geringem Ansprechen von Lungenfunktionsbefund und Klinik auf Salbutamol oder inhalative Glucocorticoide ist die Diagnose Asthma unwahrscheinlich!

Provokationstest zum Nachweis eines hyperreagiblen Bronchialsystems [1][9][10]

  • Indikation
    • Verdacht auf Asthma bei aktuell fehlender Klinik und fehlender bronchialer Obstruktion in der Lungenfunktion
    • Verlaufskontrolle
  • Kontraindikationen
  • Voraussetzungen
  • Direkte Stimulation: Methacholin-Provokationstest
  • Indirekte Stimulation: Belastungs-Lungenfunktionstest
    • Hintergrund: Körperliche Belastung, Inhalation von Kaltluft, Mannitol, hyper- und hypotoner NaCl-Lösung oder Adenosin → Freisetzung entzündlicher Mediatoren → Bronchokonstriktion
    • Durchführung
      1. Lungenfunktionsprüfung vor körperlicher Belastung
      2. Körperliche Anstrengung (freies Laufen oder Laufband) über 7–10 Minuten
        • Zielherzfrequenz: Ca. 180–190/min über ≥4 Minuten
      3. Lungenfunktionskontrolle direkt nach Belastung sowie im Abstand von 5, 10 und 15 Minuten
    • Positivbefund: Signifikanter FEV1-Abfall um ≥10% bei Erwachsenen; bei Kindern FEV1-Abfall ≥10–15% bzw. Verdopplung des spezifischen Atemwegswiderstandes (≥2,0 kPa×sec)
    • Bei uneindeutigem Befund (trotz anamnestischen Verdachts): Wiederholte Peak-Flow-Messung vor und nach Belastung
      • Positivbefund: PEF-Abfall ≥20%

Bronchiale Hyperreagibilität ist typisch beim Asthma – aber auch bei allergischer Rhinitis, CF, COPD, Sarkoidose und bei Gesunden (unspezifischer Befund)!

Der Methacholin-Provokationstest kann einen lebensbedrohlichen Asthmaanfall auslösen! Deshalb muss immer(!) eine Bronchodilatation im Anschluss erfolgen!

Peak-Flow-Messung

  • Indikation: Objektive Verlaufsbeurteilung zusätzlich zur Klinik (bei jedem Asthma-Patienten)
  • Methode: Eigenmessung mittels Peak-Flow-Meters, das den exspiratorischen Spitzenfluss (PEF) misst
  • Durchführung
    1. Maximale Einatmung in Ruhe (ohne Gerät)
    2. Umschließen des Mundstücks mit den Lippen
    3. Forciertes Ausatmen in das Gerät (so schnell und kräftig wie möglich)
  • Messung zu diagnostischen Zwecken
    • Durchführung
      • Einschätzung der PEF-Variabilität = (höchster - niedrigster Wert pro Woche)/höchster Wert ×100 [%]
      • Alternativ: Messen des PEF vor und jeweils 10 Minuten nach Salbutamol-Inhalation
    • Auswertung: PEF-Variabilität ≥10% spricht für Asthma
  • Messung zur Asthma-Kontrolle
    • Initial morgens und abends (vor Inhalationstherapie) zur Ermittlung des persönlichen Bestwertes
    • Im Verlauf
      • Vor und während einer geplanten Deeskalation/Eskalation der Medikamente zur Einschätzung des Therapieerfolgs
      • Bei (drohender) Exazerbation

Die Diagnosestellung sollte nicht ausschließlich infolge auffälliger PEF-Werte gestellt werden! Diese dient eher der Verlaufsbeurteilung.

Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid

  • Synonyme: DLCO (Diffusionskapazität für CO), TLCO (Transferfaktor von CO)
  • Indikation: Differentialdiagnostik Asthma bronchiale und COPD
  • Methode: Messung des intrapulmonalen Gasaustausches
  • Durchführung
    1. Forcierte Inspiration eines Gasgemisches aus CO, Helium und Raumluft
    2. 10 Sekunden Atempause
    3. Langsame Exspiration
    4. Analyse der Ausatemluft
  • Auswertung
    • Normalbefund ≥80%: Bspw. bei Asthma bronchiale
    • Erniedrigt <80%: Bspw. bei COPD

Die TLCO eignet sich insb. zur Differenzierung zwischen COPD und Asthma!

FeNO-Messung

  • Erklärung: Fraktion des exhalierten Stickstoffmonoxids
  • Indikation: Diagnosestellung bzw. Überprüfen der Asthmakontrolle (in jedem Alter)
  • Methode: Non-invasiver Biomarker der Atemwegsinflammation
  • Durchführung: Schnell, einfach und reproduzierbar
    1. Tiefe Exspiration
    2. Tiefe Inspiration NO-freier Luft über das Gerät
    3. Langsame, gleichmäßige Exspiration über 10 Sekunden
    4. Analyse der Ausatemluft
  • Auswertung
    • Hohe FeNO-Werte
      • Grenzwerte: >50 ppb bei Erwachsenen, >35 ppb bei Kindern
      • Bei Diagnosestellung (vor Therapiebeginn): Erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein Asthma bronchiale, das auf Steroide anspricht
      • Unter laufender inhalativer Glucocorticoidtherapie
        • Symptompersistenz: Prüfen von Compliance, Inhalationstechnik und Allergenexposition; ggf. Dosiserhöhung
        • Symptomfreiheit: Fortführung der Therapie (keine Dosisreduktion)
    • Niedrige FeNO-Werte
      • Grenzwerte: <25 ppb bei Erwachsenen, <20 ppb bei Kindern
      • Bei Diagnosestellung (vor Therapiebeginn): Erwägen von Differentialdiagnosen; reduzierte Wahrscheinlichkeit für Steroidsensibilität des Asthmas
      • Unter laufender inhalativer Glucocorticoidtherapie
        • Symptompersistenz: Erwägen von Differentialdiagnosen
        • Symptomfreiheit: Ggf. Dosisreduktion

Eine niedrige FeNO-Messung allein schließt ein Asthma nicht aus!

Bildgebung

Im Kindesalter erfolgt die Röntgenaufnahme des Thorax nur in einer Ebene!

Flexible Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage (BAL)

Diagnostik bei akuter Asthma-Exazerbation

Anamnese

  • Auslöser der akuten Symptomatik
  • Anzahl der Exazerbationen

Klinische Untersuchung

Pulsoxymetrie

Labor

Differentialdiagnose COPD

  • Häufigste Differentialdiagnose des Asthma bronchiale bei Erwachsenen (Unterscheidungsmerkmale siehe Tabelle unten)
  • Asthma-COPD-Overlap (ACO): Eine klare Abgrenzung zwischen Asthma und COPD ist nicht immer möglich
    • Definition: Inkomplett reversible Atemwegsobstruktion (Zeichen der COPD) in Kombination mit einer Symptombesserung durch Bronchospasmolyse oder Nachweis einer bronchialen Hyperreagibilität oder neu diagnostizierte COPD bei Patienten mit einem vorbekannten Asthma
    • Epidemiologie: 10–50% der COPD-Patienten, 10–60% der Asthma-Patienten
      • Höhere Exazerbationsraten und mehr Krankenhausaufenthalte im Vergleich zu den Einzelerkrankungen
    • Typischer Patient: Allergisches Asthma bronchiale seit der Kindheit, jahrzehntelanger Raucher mit Lungenemphysem, Bronchialobstruktion nicht mehr reversibel
    • Therapie
      • Initial nach Alter und Raucherstatus
      • Im Verlauf Anpassung je nach Ansprechen
Differentialdiagnostische Gegenüberstellung von Asthma bronchiale und COPD
Asthma bronchiale COPD
Erstdiagnose
  • Häufig im Kindes- und Jugendalter
  • Meist in der 2. Lebenshälfte (ab dem 50. LJ)
Ätiologie
  • Häufig allergische Genese
  • Fast ausschließlich Raucher
Klinik
  • Häufig episodisch mit symptomfreien Phasen
  • Anfallsartige Dyspnoe
  • Schleichender Beginn und chronische Progredienz über Jahre
  • Dyspnoe bei Belastung
Lungenfunktion
  • (Teil‑)Reversible Obstruktion
  • Obstruktion nicht zu jeder Zeit nachweisbar
  • Persistierende Obstruktion ohne Reversibilität
Bronchiale Hyperreagibilität
  • (Fast) Immer vorhanden
  • Häufig vorhanden
Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DLCO)
  • Nicht pathologisch verändert
  • Häufig vermindert, insb. bei Emphysem
FeNO
  • Häufig erhöht
  • Normal bis erniedrigt
Eosinophilie
  • Häufig erhöht
  • Normal

Medikamentöse Besonderheiten

Weitere Differentialdiagnosen

Differentialdiagnosen bei Kindern

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Allgemeine Maßnahmen und Besonderheiten

Antiasthmatische Therapie

  • Ziel: Symptomfreiheit unter möglichst niedrig dosierter Therapie mit möglichst wenigen Medikamenten

Initialtherapie bei Erstdiagnose

  • Initialtherapie entsprechend der Asthmakontrolle (bei unbehandelten Patienten)
  • 2 mögliche Vorgehensweisen
    • Step-up-Therapie: Therapiebeginn auf der wahrscheinlich notwendigen Therapiestufe ; Eskalation nach Bedarf
    • Step-down-Therapie: Therapiebeginn eine Stufe über der wahrscheinlich notwendigen Therapiestufe ; Deeskalation bei erreichter Asthmakontrolle

Therapieanpassung im Verlauf

Bei der regelmäßigen ärztlichen Überprüfung der Asthmakontrolle sollte immer eine Therapieanpassung erwogen werden.

  • Nicht- oder teilkontrolliertes Asthma: Ggf. Therapie-Eskalation
  • Gute Asthmakontrolle über ≥3 Monate: Therapie-Deeskalation ; bei klinischer Verschlechterung sofortige Re-Eskalation

Bei der Deeskalation einer Therapie mit ICS+LABA als Fixkombination sollte immer zuerst die ICS-Dosis halbiert werden. Bei Erreichen einer niedrigen ICS-Dosis unter stabiler Klinik kann zusätzlich das LABA abgesetzt werden!

Bei einer reinen ICS-Therapie sollte eine Deeskalation auch bei Kindern erst bei guter Asthmakontrolle über mind. 3 Monate versucht werden!

Jeder Patient nach Exazerbation mit systemischem Glucocorticoid-Bedarf sollte eine antiinflammatorische Dauertherapie erhalten!

Stufentherapie bei Asthma bronchiale [11][12]

Für die pädiatrische Therapie bei Kindern und Jugendlichen beachte Stufentherapie bei Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter

Medikamentöse Langzeittherapie des Asthma bronchiale – Stufenschema (NVL 2020) [11]
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5

Dauertherapie

(1. Wahl)

  • Keine
  • ICS: Niedrige Dosis

oder

  • Keine
  • ICS + LABA als Fixkombination1: Mittlere bis hohe Dosis
  • Add-on-Therapie
    • Anti-IL-5(R)3 oder Anti-IL-4R3oder
    • Anti-IgE4
Alternativen
  • ICS: Niedrige Dosis
  • LTRA (insb. im Kindesalter, ansonsten nur in Ausnahmefällen) [13]
  • Orale Corticoide (zusätzlich oder alternativ)

Akuttherapie bei Bedarf (Siehe auch: akuter Asthmaanfall)

*1 Langwirksame β2-Sympathomimetika sind keine Monotherapeutika und werden nur in Kombination mit inhalativen Glucocorticoiden eingesetzt; wirken insb. gut zur Prophylaxe der nächtlichen Asthmasymptomatik.

*2 Aus der Gruppe der LAMA ist Tiotropiumbromid bei Asthma bronchiale zugelassen (ab dem Alter von 6 Jahren).

*3 Anti-IL-5(R)- oder Anti-IL-4R-Antikörper werden bei schwergradigem eosinophilem Asthma (ab dem Alter von 18 Jahren) in Stufe 5 zusätzlich empfohlen.

*4 Anti-IgE-Antikörper werden bei allergischem Asthma (ab dem Alter von 6 Jahren) in Stufe 5 zusätzlich empfohlen.

*5 Die Bedarfstherapie mit ICS + Formoterol erfolgt im Rahmen des sog. SMART-Konzepts, bei dem eine fixe Kombination aus ICS + LABA sowohl zur Langzeit- als auch zur Bedarfstherapie verwendet wird. Im Vordergrund steht bei der Akuttherapie der schnelle Wirkungseintritt des Formoterol.

  • In begründeten Ausnahmefällen
    • Cromone (bspw. Nedocromil und Cromoglycinsäure): Nebenwirkungsarm, aber auch wirkungsarm; ab Stufe 2 einsetzbar
    • Alternativ zu SABA: Schnell wirksame Anticholinergika inhalativ (bspw. Ipratropium), Salbutamol p.o. (bspw. Salbubronch Elixier®) oder unretardiertes Theophyllin p.o.
  • Nicht mehr empfohlen: Retardiertes Theophyllin

Die vollständige Wirkung von inhalativen Glucocorticoiden (ICS) wird erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung erreicht!

Seit dem GINA-Update 2019 und in der NVL 2020 wird ICS + LABA als Fixkombination bedarfsorientiert bereits ab Stufe 1 empfohlen. Laut GINA soll SABA als einziges Bedarfsmedikament nicht mehr angewandt werden, in der NVL ist dies hingegen als Alternative zu ICS + LABA als Fixkombination noch möglich. Beide Leitlinien erlauben eine Kombination von SABA mit ICS in höheren Stufen.

Vor der Verschreibung von LTRA (Montelukast) sollte eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, da es unter der Therapie zu psychischen Nebenwirkungen kommen kann, bspw. zu Schlaf- und Verhaltensstörungen bis hin zu suizidalen Gedanken! Die FDA hat hierzu ein Boxed Warning herausgegeben. [13]

Allgemeine Maßnahmen

Jeder Patient mit Asthma bronchiale sollte (altersentsprechend) Sport treiben und ein normales Körpergewicht anstreben!

Optimierungsmöglichkeiten der inhalativen Therapie

  • Auswahl eines passenden Inhalationssystems
  • Anpassung der Anzahl an täglichen Inhalationen, bspw. durch Umstellen auf ein fixes Kombinationspräparat
  • Anleitung zur optimalen Inhalationstechnik mit dem individuellen Präparat

SMART-Konzept

  • Abkürzung: Single Inhaler Maintenance And Reliever Therapy
  • Erklärung: Fixe ICS+Formoterol-Kombination zur Langzeit- und Bedarfstherapie
  • Vorteile
    • Reduzierung der Exazerbationsfrequenz bei Risikopatienten
    • Niedrigere ICS-Dosen
    • Bessere Asthmakontrolle bei Kindern und Jugendlichen
    • Keine (versehentliche) LABA-Monotherapie möglich
  • Nachteil: Keine flexible Dosierung der einzelnen Wirkstoffe möglich

Schriftlicher Therapieplan

  • Bei jeder Neueinstellung/Umstellung: Angaben zu Medikament, Dosierung und Einnahmezeitpunkt
  • Therapieintensivierung: Vorgehen bei Verschlechterung der Asthma-Kontrolle
  • Notfallplan: Vorgehen bei Exazerbation/Asthmaanfall

Applikationsformen und -techniken der inhalativen Therapie

Anwendung eines Dosieraerosols ohne Inhalierhilfe

  • Indikationen
  • Vorteile: Kein Mindest-Inspirationsfluss notwendig – Inhalation immer möglich!
  • Kontraindikation oder Nachteile: Keine
  • Durchführung
    • Abnehmen des Deckels und Schütteln des Dosieraerosols
    • Halten des Behälters mit Daumen und Mundstück unten
    • Tiefes Ausatmen
    • Festes Umschließen des Mundstücks mit den Lippen (nicht auf das Mundstück beißen)
    • Schnelles, festes und tiefes Einatmen durch den Mund bei gleichzeitigem Auslösen des Sprühstoßes
    • Nach vollständiger Einatmung: Anhalten des Atems, Absetzen des Dosieraerosols und zügiges Schließen des Mundes
    • Anhalten des Atmens für 5–10 Sekunden (Kindern sagt man: „Zähle an deinen Fingern bis 10“)
    • Langsames Ausatmen durch die Nase
    • Nach frühestens 1 Minute ggf. Wiederholen des Vorgangs für einen zweiten Sprühstoß

Anwendung eines Dosieraerosols mit Inhalierhilfe

Die klinische Erfahrung hat gezeigt, dass (nicht nur bei Kindern) die Inhalation eines Dosieraerosols am besten über eine Inhalierhilfe (sog. Spacer) erfolgt.

  • Indikationen für eine Inhalierhilfe
    • Bei Kindern <5 Jahren: Immer!
    • Bei Kindern ≥5 Jahren und Erwachsenen: Zur Verbesserung der Inhalationstechnik
  • Vorteile
    • Einfache Inhalation in jedem Alter
    • Erleichterte Koordination zwischen Einatmung und Sprühen
    • Reduzierte Wirkstoffmenge an Gaumen und Rachenhinterwand (anstelle der Bronchien)
      • Geringerer Reiz im Rachenraum
      • Verbesserung der pulmonalen Wirkstoff-Deposition
      • Bei cortisonhaltigen Aerosolen zusätzlich: Geringere lokale Nebenwirkungen wie Mundsoor oder Heiserkeit
  • Nachteil: Evtl. Kosten
  • Durchführung
    • Abnehmen des Deckels und Schütteln des Dosieraerosols
    • Einstecken des Mundstück des Dosieraerosols in die Inhalierhilfe
    • Entfernen der Schutzkappe vom Mundstück der Inhalierhilfe
    • Tiefe Ausatmung
    • Festes Umschließen des Mundstücks der Inhalierhilfe mit den Lippen
    • Auslösen des Sprühstoßes durch Herunterdrücken des Behälters
    • Langsames, tiefes Einatmen des Aerosols aus der Inhalierhilfe (durch den Mund)
    • Kinder >5 J.: Nach vollständiger Einatmung, Anhalten des Atems, Absetzen des Dosieraerosols und zügiges Schließen des Mundes
    • Kinder <5 J.: 5–10-maliges normales Ein- und Ausatmen aus der bzw. in die Inhalierhilfe mit dem Aerosol
    • Anhalten des Atmens für 5–10 Sekunden (Kindern sagt man: „Zähle an deinen Fingern bis 10“)
    • Langsames Ausatmen durch die Nase
    • Nach frühestens 1 Minute ggf. Wiederholen des Vorgangs für einen zweiten Sprühstoß

Pulverinhalator

  • Methode
    1. Kappe abnehmen/Gerät aufklappen, ggf. Dosierfenster laden
    2. Tiefe Ausatmung
    3. Mundstück des Gerätes mit den Lippen umschließen
    4. Schnelle tiefe Einatmung des Wirkstoffs
    5. Atempause (ca. 10 Sekunden)
  • Indikation: Langzeittherapie mit antiinflammatorischen Medikamenten (ICS, ICS+LABA) bei Patienten mit ausreichendem Inspirationsfluss
  • Kontraindikationen
    • Akuttherapie
    • Unzureichender Inspirationsfluss
  • Vorteile: Automatisches Auslösen der Inhalation
  • Nachteile
    • Schwer auslösbar, insb. bei schwerer Erkrankung
    • Häufig verbleibt das Medikament im Mundraum

Inhalationslösung über Feuchtvernebler

  • Methode
    1. Inhalationslösung vorbereiten und in das Gerät einfüllen, Gerät einschalten
    2. Mundstück des Gerätes mit den Lippen umschließen bzw. Maske fest auf das Gesicht aufsetzen
    3. Wiederholte gleichmäßige, langsame tiefe Einatmung des Wirkstoffs
  • Indikation: Akuttherapie mit kurzwirksamen β2-Sympathomimetika (Gleichwertigkeit zum Dosieraerosol mit Spacer)
  • Kontraindikation: Langzeittherapie mit antiinflammatorischen Medikamenten
  • Vorteile: Gleichzeitige Befeuchtung der Atemwege und ggf. schleimlösende Wirkung im Infekt
  • Nachteile
    • Dauer der Anwendung (ca. 10 Minuten), daher schlechtere Integration in den Alltag
    • Kosten (ca. 200 €)

Keine Pulverinhalation beim Asthmaanfall! Vielmehr sind Dosieraerosole über Spacer indiziert!

Bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD soll eine Therapie mit Inhalatoren nicht begonnen oder geändert werden, ohne dass der Patient im Gebrauch des Inhalationssystems geschult ist und die korrekte Anwendung der Inhalatoren überprüft wurde. (DGIM - Klug entscheiden in der Pneumologie)

Anwendungsvideos zu den verschiedenen Inhalationsmethoden finden sich unter Tipps & Links!

Akutmedikamente bei Asthma bronchiale (sog. „Reliever“)

Kurzwirksame β2-Sympathomimetika (SABA)

Kombinationspräparate (SABA + SAMA)

Kurzwirksame Anticholinergika (SAMA)

Systemische Glucocorticoide bei Asthma bronchiale (akut)

Langzeitmedikamente bei Asthma bronchiale (sog. „Controller“)

Inhalative Glucocorticoide (ICS)

  • Wirkweise: Reduktion der Entzündung und von Exazerbationen, Prävention bronchialer Hyperreaktivität, Wirkungseintritt nach Wochen regelmäßiger Anwendung
  • Indikation: Ab Stufe 2 zur Dauertherapie (1. Wahl), ggf. schon ab Stufe 1
  • Applikation: Inhalativ
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Budesonid inhalativ (1. Wahl)
      • Budesonid als Dosieraerosol (z.B. Budiair® Druckgasinhalation) – zugelassen ab 6 Jahren, Off-Label-Use auch bei Kleinkindern möglich
        • Erhältliche Dosierungen: 200 μg/Hub
        • Dosierung ab 12 J.
      • Budesonid als Pulverinhalator (z.B. Novopulmon® Novolizer) – zugelassen ab 6 J.
        • Erhältliche Dosierungen: 200 und 400 μg/Hub
        • Dosierung ab 12 J.
    • Fluticason inhalativ
      • Fluticason als Dosieraerosol (z.B. Flutide® Dosieraerosol) – zugelassen ab 2 J.
        • Erhältliche Dosierungen: 50, 125 und 250 μg/Hub
        • Dosierung ab 16 J.
      • Fluticason als Pulverinhalator (z.B. Flutide® Diskus®) – zugelassen ab 4 J.
        • Erhältliche Dosierungen: 50, 100, 250 und 500 μg/Hub
        • Dosierung ab 16 J.
    • Beclometason inhalativ
      • Beclometason als Dosieraerosol (z.B. Junik®) – zugelassen ab 5 J.
        • Erhältliche Dosierungen: 100 μg/Hub
        • Dosierung ab 12 J.
    • Ciclesonid inhalativ
    • Mometason inhalativ
  • Zu beachten
    • Das Medikament muss regelmäßig angewendet werden, um seine Wirkung zu entfalten
    • Nach der Anwendung immer essen, trinken, Zähne putzen, da dies Pilzinfektionen (Soor) der Mundschleimhaut sowie Zahnschmelzschäden vorbeugt
    • Keine relevanten systemischen Effekte oder Nebenwirkungen
    • Ist eine stabile Situation erreicht, kann die Dosis schrittweise reduziert werden
    • Kann die bronchiale Situation trotz regelmäßiger Anwendung in adäquater Dosis nicht stabilisiert werden, ist eine Kombinationstherapie mit einem langwirksamen β2-Sympathomimetikum (LABA) indiziert.
    • Hochdosis-ICS-Therapie: Neue Leitlinien orientieren sich an den Grenzwerten, die vom ERS/ATS-Konsensus vorgeschlagenen wurden
Inhalative Glucocorticosteroide bei Erwachsenen: Tagesdosen in μg [2]
Niedrige Dosis Mittlere Dosis Hohe Dosis Höchstdosis
Budesonid 200–400 >400–800 >800 ≥1600
Fluticasonpropionat 100–250 >250–500 >500 ≥1000
Beclometason (extrafeine Partikel) 100–200 >200–400 >400 ≥1000
Ciclesonid 80 160–320 ≥320 ≥320
Mometasonfuroat 200 400 >400 ≥800

Systemische Glucocorticoide bei Asthma bronchiale (langfristig)

  • Zulassung: Ab Geburt
  • Wirkweise: Reduktion von Entzündung und Exazerbation, Abschwellen der Schleimhäute, Wirkungseintritt innerhalb 1 Stunde
  • Indikationen: Additiv in Stufe 5
  • Applikation: p.o.
  • Wirkstoff und Dosierung
  • Anwendung
    • Einnahme morgens
    • Immer in der niedrigsten effektiven Dosis
    • Patientenaufklärung über typische, möglicherweise schwere Nebenwirkungen
    • Osteoporose-Prophylaxe mit Calcium und Vitamin D
    • Bei schwer kontrollierbaren nächtlichen Symptomen: Tagesdosis ⅔ morgens, ⅓ abends
    • Kinder und Jugendliche: Ultima ratio; i.d.R. nach frustranem Therapieversuch mit Omalizumab

Beim Absetzen einer Therapie mit oralen Glucocorticoiden (bzw. Wechsel auf ICS): Engmaschige Überwachung, es besteht das Risiko einer Nebenniereninsuffizienz!

Langwirksame β2-Sympathomimetika (LABA)

  • Wirkweise: Bronchodilatation, Wirkungseintritt variabel, Wirkungsdauer 6–12 Stunden
  • Indikationen
  • Applikation: Inhalativ
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Formoterol: Rascher Wirkungseintritt (wie SABA), Wirkungsdauer 6–12 Stunden
      • Formoterol als Dosieraerosol (z.B. Forair® Dosieraerosol) – zugelassen ab 12 J.
        • Erhältliche Dosierung: 6 μg/Hub
        • Dosierung ab 12 J.
      • Formoterol als Pulverinhalator (z.B. Formatris® Novolizer) – zugelassen ab 6 J.
        • Erhältliche Dosierungen: 6 und 12 μg/Hub
        • Dosierung ab 6 J.
    • Salmeterol: Verzögerter Wirkungseintritt nach 10–20 min, Wirkungsdauer 6–12 Stunden
      • Salmeterol als Dosieraerosol (z.B. Serevent® Dosieraerosol) – zugelassen ab 4 J.
        • Erhältliche Dosierung: 25 μg/Hub
        • Dosierung ab 4 J.
      • Salmeterol als Pulverinhalator (z.B. Serevent® Diskus) – zugelassen ab 4 J.
        • Erhältliche Dosierung: 50 μg/Hub
        • Dosierung ab 4 J.
  • Besonderheit: Keine Anwendung als Monotherapeutikum, stets in Kombination mit ICS!

Als Monotherapeutikum haben LABA eine erhöhte Sterblichkeit gezeigt! Eine fixe ICS+LABA-Kombination verbessert die Anwendersicherheit!

Salmeterol ist aufgrund des langsamen Wirkungseintritts nicht als Bedarfstherapeutikum geeignet!

Kombinationspräparate (ICS + LABA)

  • Wirkweise: Bronchodilatation und Entzündungshemmung
  • Applikation: Inhalativ
  • Indikationen
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Budesonid + Formoterol als Pulverinhalator (z.B. Symbicort® Turbohaler®) – zugelassen ab 6 J.
      • Erhältliche Dosierungen: 80/4,5, 160/4,5 und 320/9 μg/Hub
      • Dosierung ab 12 J.
    • Beclometason + Formoterol als Dosieraerosol (z.B. Foster® Dosieraerosol) – zugelassen ab 18 J.
      • Erhältliche Dosierungen: 100/6 und 200/6 μg/Hub
      • Dosierung ab 18 J.
    • Fluticason + Formoterol als Dosieraerosol (z.B. Flutiform® Dosieraerosol) – zugelassen ab 12 J.
      • Erhältliche Dosierungen: 50/5, 125/5 und 250/10 μg/Hub
      • Dosierung ab 12 J.
    • Fluticason + Salmeterol inhalativ (z.B. Viani®, Atmadisc®) – zugelassen ab 4 J.
    • Fluticason + Vilanterol als Pulverinhalator (z.B. Relvar® Ellipta® 92/22)
  • Besonderheit: SMART-Konzept (Single Maintenance And Reliever Therapy)
    • Verschiedene Applikationssysteme (z.B. Pulver-Inhalator, Dosieraerosol)
    • Vereinfachung der Compliance: Mit einer Inhalation werden beide Wirkstoffe aufgenommen
    • Erhöhte Anwendersicherheit (versehentliche LABA-Monotherapie nicht möglich)
  • Zu beachten
    • Mit Vorsicht anzuwenden bei schweren kardiovaskulären Erkrankungen, HRST, Diabetes mellitus, Thyreotoxikose, Hypokaliämie
    • Nach dem Inhalieren von Steroiden: Möglichst essen, trinken und Zähne putzen, um die Steroide abzuspülen und damit Mundsoor und Zahnschmelzschäden zu vermeiden!
    • Nebenwirkungen und Hinweise bzgl. systemischer Glucocorticoide gelten auch hier, wenn die Dosierungsangaben überschritten werden!
    • Inhalative Glucocorticoide als Dosieraerosol oder Inhalationspulver müssen regelmäßig verwendet werden, um einen Effekt zu erzielen Die Dosis wird niedrig gewählt, um mögliche systemische Nebenwirkungen weitestgehend zu vermeiden.
    • Entsprechend wird der volle Behandlungseffekt erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung erreicht
    • Ziel ist es, eine möglichst stabile bronchiale Situation zu schaffen Im Idealfall bleiben Exazerbationen komplett aus. Wenn es doch zu Exazerbationen kommt, sind diese i.d.R. leichterer Ausprägung.
    • Ist eine stabile Situation erreicht, kann die Dosis schrittweise reduziert werden Verschlechtert sich der Zustand, sollte die Dosis wieder erhöht werden. Die Therapie wird dann auf einer stabilen Dosis fortgesetzt.

Kombinationen aus ICS + LABA mit ICS+Salmeterol (z.B. Viani®) dürfen aufgrund des langsamen Wirkungseintritts von Salmeterol nicht als Bedarfstherapeutikum eingesetzt werden!

Langwirksame Anticholinergika (Long Acting Muscarinic Antagonist, LAMA)

Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten

  • Zulassung: Ab 6 Monaten, siehe auch Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten im Kindes- und Jugendalter
  • Wirkweise: Binden an Leukotrienrezeptoren des Bronchialsystems → Kompetitive Bindungshemmung von Leukotrienen → Hemmung der bronchialen Entzündungsreaktion
  • Indikation: Additiv in Stufe 3 und 4 (2. Wahl)
  • Off-label: LTRA-Monotherapie sinnvoll bei
    • Unerwünschter oder unmöglicher ICS-Therapie
    • Patienten mit zusätzlicher allergischer Rhinokonjunktivitis
  • Applikation: p.o.
  • Wirkstoff und Dosierung: Montelukast
  • Besonderheiten
    • Tritt innerhalb von 2–4 Wochen keine Besserung ein, soll die Therapie beendet werden
    • FDA-Warnung 2020 zu Montelukast („Boxed Warning“) [13]
      • Auftreten psychischer Nebenwirkungen, inkl. suizidaler Gedanken oder Handlungen möglich!
      • Insb. bei milden Formen sollten zunächst andere Therapieoptionen versucht werden.

Der Einsatz von Montelukast sollte bei Asthma und allergischer Rhinitis nur unter strikter Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen!

Biologicals bei Asthma bronchiale

  • Keine ausreichende Asthmakontrollen trotz 3-monatiger Therapie mit ICS in Höchstdosis plus LABA und LAMA

Anti-IgE-Antikörper

  • Zulassung: Ab 6 Jahren
  • Wirkweise: Binden zirkulierendes freies IgE und senken die IgE-Rezeptor-Expression auf Effektorzellen → Selektive Hemmung IgE-vermittelter Reaktionen → Rückgang von Symptomen, Exazerbationen und Medikamentenverbrauch sowie Lebensqualitätssteigerung
  • Indikation
  • Applikation: s.c.
  • Wirkstoff und Dosierung: Omalizumab
  • Besonderheiten
    • Nicht alle Patienten sprechen auf die Therapie an, daher Erfolgskontrolle über mind. 4 Monate, danach jährlich
    • Wirksamkeit auch bei Patienten ohne Allergienachweis möglich, aber nicht zugelassen
    • In begründeten Einzelfällen bei fehlenden Therapie-Alternativen: Therapieversuch off-label in speziellen Zentren möglich

Anti-IL5-Antikörper

  • Zulassung: Mepolizumab ab 6 Jahren; Reslizumab ab 18 Jahren
  • Wirkweise: Binden zirkulierendes freies Interleukin-5 → Hemmung von Reifung und Aktivierung eosinophiler Granulozyten → Reduktion der Eosinophilenzahl in peripherem Blut und der Lunge → Rückgang von Symptomen, Exazerbationen und Medikamentenverbrauch sowie Verbesserung von Lungenfunktion und Lebensqualität
  • Indikation
  • Applikation: s.c. oder i.v.
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Mepolizumab
    • Reslizumab
  • Besonderheiten
    • Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
    • Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
    • Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
    • Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach Therapiebeginn!

Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Anti-IL5R-Antikörper

  • Zulassung: Ab 18 Jahren
  • Indikation
  • Applikation: s.c.
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Benralizumab
  • Besonderheiten
    • Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
    • Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
    • Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
    • Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach Therapiebeginn!

Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Anti-IL4R-Antikörper

  • Zulassung: Ab 12 Jahren
  • Indikation
  • Applikation: s.c.
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Dupilumab
  • Besonderheiten
    • Indikationsstellung durch erfahrene Ärzte
    • Nicht alle Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma profitieren
    • Evaluation der Wirksamkeit nach 4 und 12 Monaten, danach jährlich
    • Reduktion der bisherigen Asthmatherapie frühestens 4 Wochen nach Therapiebeginn!

Sollten während der Indikationsstellung ICS verabreicht worden sein, ist die Eosinophilenzahl im Blut reduziert!

Retardiertes Theophyllin

  • Wirkweise: Bronchospasmolyse
  • Indikation: Nicht mehr empfohlen
  • Applikation: p.o.
  • Wirkstoffe und Dosierungen
    • Retardiertes Theophyllin (z.B. Euphylong® retard) – zugelassen ab 6 J.
      • Erhältliche Dosierungen: 125, 200, 250, 300 und 375 mg
      • Dosierung ab 16 J.
      • Zielkonzentration im Serum 5–20 μg/L (zur Langzeitbehandlung mit retardiertem Theophyllin-Präparat)

Bei den hier genannten Indikationen handelt es sich jeweils nur um Indikationen im Rahmen des Asthma bronchiale. Viele Medikamente werden auch bei der Therapie anderer Krankheitsbilder eingesetzt.

Ablauf Schwere der Exazerbation
Leichte bis mittelschwere Exazerbation Schwere Exazerbation Lebensbedrohlicher Asthmaanfall
Klinische Zeichen und diagnostische Parameter
  • Sprechen durch Dyspnoe beeinträchtigt
  • AF ≥25/min
  • HF ≥110/min
  • PEF <50% des PBW
Initialtherapie
Zusätzliche Maßnahmen
Versorgung
  • Ambulante Versorgung
  • Stationäre Aufnahme erwägen
  • Umgehend stationäre Aufnahme und intensivmedizinische Betreuung!
  • Bei unzureichendem Therapieansprechen nach 30–60 min: Stationäre Aufnahme, ggf. mit intensivmedizinischer Betreuung

Bei einem akuten Asthmaanfall stehen inhalative β2-Sympathomimetika im Vordergrund! Da Glucocorticoide bei inhalativer(!) Applikation einen verzögerten Wirkungseintritt aufweisen, sollten diese immer oral oder i.v. gegeben werden!

Bei jedweder Form eines Asthmaanfalls dürfen keine Beta-Blocker gegeben werden!

Jeder Patient mit einem schweren bis lebensbedrohlichen Asthmaanfall sollte unter Notarztbegleitung ins Krankenhaus gebracht werden!

Besonderheiten und Dosierungen bei Kindern und Jugendlichen

Nicht empfohlene Maßnahmen im akuten Asthmaanfall

  • Sedative/Anxiolytika → Atemdepression und Verminderung des Dyspnoe-Empfindens; Anwendung höchstens unter Intubationsbereitschaft!
  • Mukolytika → Übermäßige Schleimlösung/Verlegung der Atemwege
  • Verabreichung großer Flüssigkeitsmengen → Zusätzliche kardiale Belastung
  • Antibiotika: Nur bei begründetem Verdacht auf eine bakterielle Infektion
  • Transiente Verlaufsform möglich: Häufig Verschwinden der Asthma-Symptomatik nach Pubertät (insb. beim extrinsischen Asthma); Wiederauftreten im Erwachsenenalter möglich
  • Bei persistierendem Verlauf
    • Bei adäquater Therapie: Normale Lebenserwartung
    • Bei insuffizienter Therapie: Zunehmende irreversible bronchiale Obstruktion und Abfall der Lungenfunktion mit dauerhaften Asthma-Symptomen und verminderter Lebenserwartung
  • Mortalitätsrate: Tendentiell sinkend (1500 Tote durch Asthma in 2008 in Deutschland)

Primärprävention [1]

  • Während Schwangerschaft und Stillzeit
  • Geburt und Säuglingsalter
  • Ernährung
    • Geburt – 4 Monate: Ausschließliches Stillen
    • Ab 4 Monaten: Beikosteinführung (parallel zum Stillen)
    • NICHT nachgewiesene präventive Effekte haben
      • Hydrolisierte Säuglingsnahrung (sog. hypoallergene oder HA-Nahrung) bei Kindern mit Allergierisiko
      • Späte Beikosteinführung
  • Umwelt (bei Kindern mit Allergierisiko)
    • Vermeiden von fell- oder federtragenden Haustieren (insb. Katzen und Nagetiere)
    • Vermeiden von feuchter Raumluft, Schimmel, Exposition ggü. schädlichen Haushaltsgasen, Tabakrauch und Kfz-Abgasen
    • Günstige Auswirkung durch Kontakt zu anderen Kindern (Geschwister, Kita-Besuch), Aufwachsen auf einem Bauernhof sowie Wurminfektionen

Sekundärprävention und Tertiärprävention

Allergenkarenz bei Allergienachweis

  • Hausstaubmilbensanierung
  • Meiden von Kontakt zu entsprechenden Tieren

Allergen-Immuntherapie (AIT)

Insb. bei der Pollenallergie ist eine Allergen-Immuntherapie essentiell, da eine Karenz nicht möglich ist!

Pneumologische Rehabilitationsmaßnahmen bei Asthma bronchiale

Indikation

  • Bei nur teilweise kontrolliertem oder unkontrolliertem Asthma bronchiale
  • Bei Ausschöpfung der regulären Therapieoptionen

Ziele

  • Normale soziale Teilhabe
  • Erhaltung/Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit

Inhalte

  • Asthmadiagnostik inkl. Allergietestung
  • Therapieoptimierung
  • Multimodales Therapiekonzept
    • Patientenschulung und sozialmedizinische bzw. psychotherapeutische Beratung
    • Eliminierung von Triggerfaktoren, bspw. Raucherentwöhnung, Ernährungsberatung
    • Körperliche Aktivität, Atemphysiotherapie, Ergotherapie
  • Klimatische Besonderheiten (wie bspw. das Hochseereizklima) können vorteilhaft sein, sind aber nicht zwingend erforderlich

Eine Rehabilitationsmaßnahme ist keine Kur! Medizinische und/oder therapeutische Inhalte zur Erhaltung/Wiederherstellung der normalen sozialen Teilhabe sind das Ziel!

Kostenübernahme

Besonderheiten bei pneumologischen Rehamaßnahmen im Kindes- und Jugendalter

Eine Kinder-Rehabilitation ist nicht zu verwechseln mit einer Eltern-Kind-Kur!

  • Ziele
    • Normale soziale Teilhabe
    • Erhaltung/Wiederherstellung der Schul- und Ausbildungsfähigkeit (zusätzlich zur späteren Erwerbsfähigkeit)
  • Kostenübernahme: Gleichrangige Zuständigkeit GKV und DRV
  • Stärkung der Rehabilitation im Kindes- und Jugendalter durch Flexirentengesetz (seit Ende 2016)
    • Pflichtleistung bei der DRV, inkl. Nachsorge
    • Durchführung ambulant oder stationär möglich
    • Altersunabhängig Genehmigung einer Begleitperson
    • Keine Ausgabenbegrenzung
    • Keine Indikationsbeschränkung
    • Keine Vierjahresfrist

Asthma bronchiale bei Schwangeren

Während der Schwangerschaft zeigt sich bei ⅓ der Fälle eine Verbesserung, bei ⅓ eine Verschlechterung und bei ⅓ bleibt die Symptomatik unverändert.

Eine gute Asthma-Kontrolle in der Schwangerschaft beugt Exazerbationen und Komplikationen vor! Eine notwendige Therapie sollte immer fortgeführt werden und ist nicht schädlich für das Ungeborene!

Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter

Siehe unter Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter

Bei Kindern tritt eine bronchiale Obstruktion insb. im Rahmen von Infekten auf, sodass hier mit den Eltern der frühzeitige Einsatz von SABA zu besprechen ist!

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Stand: 12. September 2017. Abgerufen am: 21. November 2017.
  2. AWMF: Nationale Versorgungs-Leitlinie Asthma 2018 2018, doi: 10.6101/AZQ/000400 . | Open in Read by QxMD .
  3. Kenn, Hess: Vocal Cord Dysfunction In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2008, doi: 10.3238/arztebl.2008.0699 . | Open in Read by QxMD .
  4. Biedermann et al.: Allergologie . 2. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-37202-3 .
  5. Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2017 update). Stand: 1. Januar 2017. Abgerufen am: 31. Januar 2018.
  6. Dahlheim, Niggemann: Lungenfunktionsdiagnostik in der täglichen Praxis In: Consilium Themenheft. 2016, .
  7. Lex et al.: Bronchiale Provokation im Kindes- und Jugendalter In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 163, Nummer: 8, 2015, doi: 10.1007/s00112-015-3337-4 . | Open in Read by QxMD p. 826-832.
  8. Nationale Versorgungsleitlinie Asthma. Stand: 1. September 2020. Abgerufen am: 4. Januar 2021.
  9. Global Strategy for Asthma Management and Prevention - Updated 2020. Stand: 1. April 2020. Abgerufen am: 23. Dezember 2020.
  10. FDA requires Boxed Warning about serious mental health side effects for asthma and allergy drug montelukast (Singulair); advises restricting use for allergic rhinitis. Stand: 13. März 2020. Abgerufen am: 4. Januar 2021.
  11. Buysse et al.: Life-Threatening Asthma in Children In: Chest. Band: 127, Nummer: 3, 2005, doi: 10.1378/chest.127.3.866 . | Open in Read by QxMD p. 866-870.
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  13. Jaspersen et al.: Refluxassoziierte Atemwegserkrankungen: Asthma, chronischer Husten, Schlafapnoe In: Der Internist. Band: 44, Nummer: 1, 2003, doi: 10.1007/s00108-002-0763-x . | Open in Read by QxMD p. 58-62.
  14. Hien: Praktische Pneumologie. 2. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-3-642-10209-7 .
  15. Global strategy for Asthma Management and Prevention - Updated 2016. . Abgerufen am: 5. Januar 2017.
  16. Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2018 update). Stand: 1. Januar 2018. Abgerufen am: 4. Juli 2018.