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Anästhesiologisches Management: Patientin in der Schwangerschaft

Abstract

Operative Eingriffe bei schwangeren Patientinnen sind nicht selten. Neben geburtshilflich indizierten Eingriffen sind auch andere, meist abdominalchirurgische Operationen nicht immer aufschiebbar und erfordern die Expertise aller beteiligten Fachabteilungen. Gerade in der Anästhesie stellen die physiologischen Veränderungen in der Schwangerschaft, das Nebenwirkungsprofil vieler anästhesierelevanter Medikamente und die drohende Gefährdung des ungeborenen Kindes eine Herausforderung dar und machen eine sorgfältige Risikoevaluation, Planung und Durchführung jeder OP unabdingbar. Für allgemeine Informationen zur Prämedikationsvisite siehe auch: Prämedikation und Aufklärung in der Anästhesiologie.

Anästhesierelevante, physiologische Veränderungen in der Schwangerschaft

Organsystem [1] Physiologische Veränderung Anästhesiologische Relevanz

Respiratorisches System

Kardiovaskuläres System

Blut und Gerinnungssystem

Gastrointestinales System

  • Reflux bei 30–50% der Schwangeren
  • 20. SSW bis 24 h postpartum: Erhöhtes Aspirationsrisiko

Renales System

Für weitere Informationen siehe auch: Physiologische Anpassung an die Schwangerschaft

Anästhesierelevante Medikamente in der Schwangerschaft

Wirkstoffgruppe [3][1][4]

Substanz

(Teratogenität: o = Keine bekannt, ? = Fraglich, X = Bekannt)

Potentielle Nebenwirkungen
Opioide
  • Plazentagängig
  • Mögliche Atemdepression und Entzugserscheinungen des Neugeborenen
  • Fraglicher Zusammenhang zwischen pränataler Opiatexposition und SIDS
Hypnotika
  • Hypnotikum der Wahl
  • Plazentagängig
  • Atemdepression des Neugeborenen bei hoher Dosierung möglich
  • Hypnotikum der Wahl
  • Plazentagängig
  • Atemdepression des Neugeborenen
  • Cortisol-Konzentration↓
  • Einsatz nur in Ausnahmefällen
  • Plazentagängig
  • Uterotonus↑
Inhalationsanästhetika
  • Dosisabhängige uterusrelaxierende Wirkung
  • Sevofluran: In höherer Dosis Atemdepression
Glucocorticoide
Muskelrelaxantien
  • Schlecht plazentagängig
  • Wirkdauer↑
Sympathomimetika
  • Theodrenalin/Cafedrin (Akrinor®--------) (o)
  • Phenylephrin (o)
  • Adrenalin (o)
  • Ephedrin (?)
  • Uteroplazentare Perfusion↓
Antihypertensiva
  • Antihypertensivum der 1. Wahl
  • Plazentagängig
  • Plazentagängig
  • Initial Blutdruck↑
Nicht-Opioid-Analgetika
  • Analgetikum der Wahl nach 32. SSW
Antiemetika
  • Antiemetikum der Wahl
  • In Deutschland nicht mehr vertrieben
  • Nur als Reservemedikament
Lokalanästhetika

Für weitere Informationen siehe auch: Pharmakotherapie in der Schwangerschaft

Jedes Medikament sollte aufgrund seiner potentiellen Nebenwirkungen auf den Fötus nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung angewendet werden, ohne jedoch die adäquate Behandlung der Mutter zu gefährden!

Präoperatives Management

Neben den geburtshilflich indizierten Eingriffen während der Schwangerschaft sind nicht-geburtshilfliche Operationen bei 0,75–2% aller Schwangeren garnicht so selten. Meist handelt es sich um dringliche abdominalchirurgische Eingriffe [1].

OP-Zeitpunkt

  • Strenge Indikationsstellung im 1. Trimenon
  • Dringliche Eingriffe nach Möglichkeit im 2. Trimenon durchführen
  • Elektive Eingriffe verschieben

Präoperative Evaluation

Präoperative Vorbereitung und Optimierung [1][5][3]

Intraoperatives Management

Grundsätze der Narkoseführung bei Schwangeren

  • Aufrechterhaltung der Homöostase der Mutter
  • Vermeidung fetaler Hypoxie oder Azidose
  • Normaler weiterer Schwangerschaftsverlauf

Vorgehen bei Allgemeinanästhesie [1][6]

Vorbereitung im Einleitungsraum

Narkoseeinleitung

Narkoseführung

  • Aufrechterhaltung der Narkose mit Inhalationsanästhetika
    • Hohe Dosierungen vermeiden
    • Verminderter MAC-Wert bei Schwangeren
  • Intraoperative Aufrechterhaltung der Homöostase
    • Normokapnie anstreben (expiratorisches CO2 30 mmHg ) zur Vermeidung einer fetalen Azidose
    • Hypotonie vermeiden: Primär Volumentherapie, ggf. medikamentöse Vasokonstriktion bspw. mit Theodrenalin/Cafedrin (Akrinor®--------)
    • Hypoxie vermeiden (FiO2 0,5 )

Narkoseausleitung

  • Oberkörperhochlagerung und Linksseitenlage
  • Extubation nach Ausschluss einer Restrelaxierung

Vorgehen bei Regionalanästhesie

  • Durchführung siehe auch: Regionalanästhesie
  • Lagerung intraoperativ in Linksseitenlage
  • Besonderheiten bei erforderlicher Analgosedierung

Für die ausreichende Versorgung des Fötus sind der mütterliche Blutdruck, das HZV sowie Oxygenierung und Normokapnie der Mutter entscheidend!

Postoperatives Management

Überwachung

Analgesie

Die postoperative Versorgung von Mutter und Kind erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der klinikinternen Standards!

Bei postoperativen Schmerzen sollte stets eine geburtshilfliche Ursache (Wehen) ausgeschlossen werden!