• Klinik

Amnion- und Neugeboreneninfektion

Abstract

Durch aus der Vagina aufsteigende Keime (häufig: Streptokokken der Gruppe B) kann es im Rahmen der Schwangerschaft zur Amnioninfektion kommen. Klinisch zeigt sich dabei typischerweise ein Auffiebern der Mutter, ein vorzeitiger Blasensprung oder übelriechender Fruchtwasserabgang. Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Amnioninfektion sollte eine antibiotische Therapie begonnen werden – schwere Infektionen mit fetaler Tachykardie oder septischem Geschehen stellen darüber hinaus eine Indikation zur Geburtseinleitung dar.

Auch das Neugeborene ist (im Rahmen des Geburtsvorgangs) bedroht, eine lokale oder systemische – meist bakterielle – Entzündung zu entwickeln. Während lokale Infektionen wie z.B. eine Omphalitis dabei anhand des klinischen Bildes meist leicht zu diagnostizieren sind, ist die Diagnostik systemischer Erkrankungen kompliziert. Ursache dafür ist das verminderte Auftreten klassischer Entzündungssymptome (wie sie bei älteren Kindern oder Erwachsenen zu finden sind). Daher muss verstärkt auf charakteristische Warnsignale der Neugeboreneninfektion wie Sättigungsabfall, Temperaturinstabilität oder verändertes Trinkverhalten geachtet werden.

Amnioninfektionssyndrom (AIS)

Systemische Neugeboreneninfektion

Ätiologie[1][2]

Klinik

  • Allgemeine Symptome
    • Sehr unspezifisch – ein genauer Fokus ist oft schwer zu finden, weshalb eine umfassende Fokussuche betrieben werden muss
    • Apathie, Lethargie
    • Veränderung des Hautkolorits
    • Störung der Atmung: Apnoe, Dyspnoe, Stöhnen ("Knorksen")
    • Temperaturschwankungen: Fieber, Hypothermie
    • Schlechte Nahrungsaufnahme, Trinkschwäche
    • Kreislaufstörung
      • Zentralisierung mit verlängerter Rekapillarisierungszeit (>3 Sek.)
      • Arterielle Hypotonie
      • Tachykardie
  • Spezielle Symptome

Fieber bei Säuglingen unter 3 Monaten birgt immer die Gefahr einer Sepsis und muss umgehend diagnostisch abgeklärt werden! Gleichzeitig darf das Fehlen von Fieber die Differentialdiagnose Sepsis nicht ausschließen, da die Temperaturregulation bei Säuglingen noch nicht ausgereift ist und Fieber daher fehlen und es sogar zum Abfall der Körpertemperatur kommen kann!

Diagnostik

Therapie

  • (Intensiv‑)Stationäre Überwachung
  • Kreislaufstabilisierung (Flüssigkeitssubstitution, evtl. Katecholamine)
  • Behandlung von Komplikationen (Hypoglykämie, DIC, Elektrolytverschiebungen)
  • Gabe von Breitbandantibiotika (z.B. Ampicillin + Gentamicin)
    • Indikation: Klinischer Verdacht
    • Dauer der Therapie: Abhängig von den diagnostischen Ergebnissen
      • Bei unauffälliger Diagnostik: Absetzen der Therapie nach 48 Stunden
      • Bei laborchemisch bestätigter Diagnose
        • 5–7 Tage bei blandem Verlauf ohne Erregernachweis
        • 7–10 Tage bei Sepsis und positiver Blutkultur
        • Mindestens zehn Tage bei Meningitis

Prophylaxe

Prognose

  • Innerhalb von Stunden kann es ohne adäquate Therapie zum septischen Schock kommen
  • Je länger die Symptome bestehen, umso höher ist das Risiko einer ZNS-Beteiligung (Meningitis)

Omphalitis/Nabelinfektion

Zur Beurteilung des Therapieerfolgs kann es hilfreich sein, die Umgebungsrötung zu Beginn der Behandlung zu markieren!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind (P35-P39)

P35.-: Angeborene Viruskrankheiten

P36.-: Bakterielle Sepsis beim Neugeborenen

P37.-: Sonstige angeborene infektiöse und parasitäre Krankheiten

P38: Omphalitis beim Neugeborenen mit oder ohne leichte Blutung

P39.-: Sonstige Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.