Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Alopezien

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

Abstracttoggle arrow icon

Die Alopezie bezeichnet den Zustand der Haarlosigkeit, wohingegen der gesteigerte Haarausfall Effluvium genannt wird. Bei den Alopezien unterscheidet man die diffuse (erworbene oder angeborene) und die zirkumskripte (vernarbende oder nicht vernarbende) Form der Haarlosigkeit.

  • Alopezie : Zustand der Haarlosigkeit (Glatze)
  • Effluvium : Vorgang des Haarausfalls
  • Atrichie : Vererbte Haarlosigkeit
  • Hypotrichose : Angeborene spärliche Behaarung, oft im Rahmen von Syndromen (z.B. Netherton-Syndrom, Thompson-Syndrom)

Diffuse kongenitale Alopezien

  • Alopecia triangularis congenita: Angeborene haarlose münzgroße Bereiche an der Haargrenze im Schläfenbereich, DD: Alopecia areata, androgenetische Alopezie

Diffuse erworbene Alopezien

  • Progressive, diffuse erworbene Alopezie (Alopecia androgenetica, männlicher Haarausfall)
    • Definition: Teils genetisch, teils durch Alterung bedingter Haarausfall, durch eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarfollikel auf Androgen
    • Epidemiologie: 95% aller männlichen Alopezien
    • Klinik
      • Beginn mit Einsetzen der Pubertät
      • Grad I: Geheimratsecken
      • Grad II: Fehlendes Haar am Hinterkopf
      • Grad III: Lichtes Haar im Scheitelbereich, Konfluation der haarlosen Bereiche
      • Grad IV: Hufeisenförmiges Haarband, Kopfhaut glänzend durch Produktion der verbleibenden Talgdrüsen
    • Diagnostik: Klinische Diagnose
    • Therapie
      • Schwer möglich, Versuche mit Minoxidil (Antihypertensivum)
      • Finasterid (selektiver Inhibitor der Steroid-5α-Reduktase)
      • Haarersatz (operative Haartransplantation, Perücke)
    • Prognose: Je früher der Haarausfall beginnt, desto schwerer ist in der Regel der Verlauf
  • Alopecia androgenetica der Frau („male pattern alopecia“ der Frau)
    • Definition: Wie bei der männlichen Form erhöhte Sensibilität der Haarfollikel auf physiologischen Androgenspiegel
    • Epidemiologie: 95% aller weiblichen Alopezien
    • Ätiologie/Pathogenese
    • Klinik
      • Grad I: Lichtes Haar im Stirnbereich
      • Grad II: Lichtung im fronto-parietalen Bereich
      • Grad III: Ausgedehnte Lichtung im fronto-parietalen Bereich
      • Normalerweise keine Glatze im Verlauf
      • Gelegentlich Hirsutismus und Virilisierung
      • Starke psychische Belastung
    • Diagnostik: Anamnese, Klinik, endokrinologische Untersuchung
    • Therapie: Orale Antiandrogene (z.B. Cyproteronacetat), lokale Östrogene
  • Akute, diffuse erworbene Alopezie (Anagen-dystrophisches Effluvium)
  • Chronische, diffuse erworbene Alopezie (Telogene Alopezie/Telogenes Effluvium)

Nicht vernarbende, zirkumskripte Alopezien

  • Alopecia areata („Pelade“, kreisrunder Haarausfall)
    • Definition: Ein bis mehrere herdförmige, haarlose Bereiche mit geringer follikulärer Entzündung, meist reversibel
    • Epidemiologie
      • Familiäre Häufung in bis zu 20%
      • Insbesondere Kinder/junge Menschen
      • >
    • Ätiologie
      • Entzündliche Alopezie mit autoimmuner Genese
      • Vermehrtes Auftreten in Phasen psychischer Belastung wird diskutiert
    • Klinik
    • Schweregrade
      • Grad 1: Einzelner Herd oder multiple Herde, <30% des Kapillitiums
      • Grad 2: Multiple Herde > 30% des Kapillitiums
      • Grad 3: Alopecia areata totalis: Alopezie des gesamten Kapillitiums
      • Grad 4: Alopecia areata universalis: Maximalvariante mit vollständigem Ausfall aller Körperhaare inklusive Wimpern, Augenbrauen, Schambehaarung
    • Diagnostik: Anamnese, Klinik, Histologie, Trichogramm
    • Therapie
      • Steroide (lokal bzw. oral)
      • PUVA-Therapie
      • Immuntherapie (off-label) mit DCP (Diphenylcyclopropenon) oder SADBE (Quadratsäuredibutylester)
    • Prognose: Variabel, in 20% bleibt die Alopezie, in 70% kommt es zu Rezidiven
    • Sonderformen
      • Alopecia areata diffusa: Großflächiger Haarausfall
      • Ophiasis: Sonderform der Alopecia areata mit teilweise großflächigem Haarverlust bei Verbleib der Scheitelhaare („Skalplocke“)
      • Loose-Anagen-Hair-Syndrom: Vorübergehender diffuser Haarausfall bei Kindern
  • Zirkumskripte, postinfektiöse Alopezie: Toxische Schädigung der Haarfollikel (bakteriell/viral/entzündlich) mit herdförmigem Haarausfall
  • Zirkumskripte, traumatische Alopezie: Veränderungen der Haarstruktur durch chronischen Druck (z.B. Haarschmuck, Haube) oder Zug (z.B. durch bestimmte Frisuren) am behaarten Kopf

Vernarbende zirkumskripte Alopezien

  • Alopezien bei angeborenen Krankheiten (z.B. Ichthyosen, Dyskeratosen)
  • Erworbene vernarbende zirkumskripte Alopezien (z.B. durch Viruserkrankungen, Mykosen, Verbrennungen, Verätzungen der Haut)
  • Spezifische Krankheitsbilder
    • Pseudopelade Brocq (Alopecia atrophicans)
      • Epidemiologie: Besonders Frauen zwischen 30 und 55 Jahren
      • Ätiologie: Unbekannt
      • Klinik
        • Unspezifische, unregelmäßig konfigurierte, haarlose und später vernarbende Areale
        • Asymptomatisch
      • Prognose: Haarausfall irreversibel, meist langsam fortschreitend

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Moll, Jung: Duale Reihe Dermatologie. 6. Auflage Thieme 2005, ISBN: 978-3-131-26686-6 .
  2. Fritsch: Dermatologie und Venerologie für das Studium . Springer 2009, ISBN: 3-540-79302-x .