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Allgemeine Mykologie

Letzte Aktualisierung: 5.12.2019

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Mykosen sind durch Pilze ausgelöste Infektionskrankheiten. Als Erreger kommen Dermatophyten (z.B. Trichophyton), Hefen (z.B. Candida) und Schimmelpilze (z.B. Aspergillen) in Frage. Bei Immunkompetenten kommt es i.d.R. nur zu lokalen Infektionen, die durch eine antimykotische Therapie behandelt werden können. Liegt eine Immunsuppression (z.B. HIV, Z.n. Knochenmarkstransplantation) vor, können Pilzinfekte systemisch werden und eine Meningitis oder schwere Sepsis auslösen.

Allgemeine Charakteristika [1]

  • Aufbau
  • Wuchsformen: Es gibt einzellige und mehrzellige Pilze
    • Einzellig: Nach der Zellteilung sind die entstehenden Zellen unabhängig
    • Mehrzellig: Pilzzellen bilden zusammenhängende Fäden (Hyphen), aus denen das Pilzgeflecht (Myzel) entsteht
      • Hyphen: Fadenartige Strukturen, die aus mehreren Zellen bestehen und komplett von einer Zellwand umgeben sind
      • Pseudohyphen: Hyphenähnliche Strukturen aus länglichen, noch miteinander verbundenen Pilzzellen
      • Myzel: Gesamtheit der Hyphen eines Pilzes
    • Dimorph: Einige Pilzarten wachsen je nach Umgebungsbedingungen einzellig oder mehrzellig
  • Vermehrung: Pilze können sich sowohl ungeschlechtlich als auch geschlechtlich vermehren
    • Sprossung: Ungleiche Zellteilung durch die Abschnürung einer deutlich kleineren Tochterzelle
      • Immer asexuell
    • Sporen: Sporen dienen der Verbreitung mehrzelliger Pilze
      • Sexuell oder asexuell
      • Konidien: Asexuell gebildete Sporen

Einteilung

Die biologische (phylogenetische) Einteilung der Pilze ist kompliziert und wird in der klinischen Medizin kaum benutzt. Üblicher sind morphologische oder klinische Einteilungen.

Nach Vermehrung und Morphologie

  • Fungi perfecti: Pilze, die sich sexuell vermehren können
  • Fungi imperfecti: Pilze, die sich nur asexuell vermehren können
  • Sprosspilze (Hefen)
    • Einzellige Pilze
    • Vermehrung ausschließlich durch Sprossung
    • Insb. in warmer, feuchter Umgebung
  • Fadenpilze (Schimmel)
    • Mehrzellige Pilze, die ein Myzel bilden
    • Vermehrung über Sporen
  • Dimorphe Pilze
    • Können sowohl hefe- als auch schimmelartig wachsen


Klinische Einteilung

In der Humanmedizin spielt nur ein kleiner Teil der Pilzspezies eine Rolle. Die meisten humanpathogenen Spezies lassen sich über das sog. DHS-System klassifizieren.

  • Klinisches Bild und Mikroskopie: Beurteilung der Pilzmorphologie
  • Weitere Spezifizierung durch
    • Kultur
    • Antigennachweis (z.B. Kapselbestandteile aus dem Serum)
    • Antikörpernachweis nur mit geringem Stellenwert
Wichtige Erreger Besonderheiten Erkrankungen

Trichophyton species

  • Erreger kommen weltweit vor, vorwiegende Verbreitung in Afrika
  • Bei vielen Spezies gelbgrüne Fluoreszenz im Wood-Licht

Epidermophyton species

  • Erreger kommen weltweit vor
  • Keine typische Fluoreszenz im Wood-Licht

Microsporum species

  • Erreger kommen weltweit vor
  • Bei vielen Spezies blaugrüne Fluoreszenz im Wood-Licht

  • Pathogenität
  • Morphologie
    • Zeigen Sprosszellen und Pseudomyzel
    • Einzelne Hefezellen sind mit 5–8 μm sehr groß
    • Erscheinen in Gramfärbung positiv
Wichtige Erreger Besonderheiten Erkrankungen

Candida species (insb. Candida albicans)

  • Candida albicans ist die weltweit häufigste Candida-Art und kommt fast nur beim Menschen vor

Cryptococcus neoformans

  • Infektion über kontaminierte Stäube
  • Besitzt eine Kapsel, die sich im Tuschepräparat darstellen lässt

Malassezia furfur

  • Gelborange Fluoreszenz im Wood-Licht
  • Kommen v.a. im Bereich des Haarfollikelinfundibulums vor
  • Führen zu Hyper-, Hypo- bzw. Depigmentierung

Wichtige Erreger Erkrankungen
Aspergillus spp. [3]
  • A. fumigatus
  • Seltener: A. niger, A. terreus und andere
  • A. flavus
Fusarium spp. [3]
  • F. solani
  • Seltener: F. oxysporum, F. verticillioides, F. moniliforme, F. roseum
Penicillium spp. [3]
  • P. marneffei (einzige humanpathogene Penicillium-Spezies)
  • P. chrysogenum: Im Allgemeinen nicht humanpathogen, aber Bedeutung als Allergen und biotechnologisch zur Herstellung von Beta-Laktam-Antibiotika
Acremonium spp. [5]
Mucorales
(veraltet: Zygomyzeten)
  • Rhizopus, Mucor, und Rhizomucor spp.
  • Mukormykose (veraltet: Zygomykose)


Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Howard: Pathogenic Fungi in Humans and Animals. 2nd New edition. Auflage Taylor & Francis Inc 2002, ISBN: 978-0-824-70683-8 .
  2. Galimberti et al.: Emerging systemic fungal infections In: Clinics in Dermatology. Band: 30, Nummer: 6, 2012, doi: 10.1016/j.clindermatol.2012.01.011 . | Open in Read by QxMD p. 633-650.
  3. Walther et al.: Fusarium Keratitis in Germany In: Journal of Clinical Microbiology. Band: 55, Nummer: 10, 2017, doi: 10.1128/jcm.00649-17 . | Open in Read by QxMD p. 2983-2995.
  4. Fakharian et al.: Acremonium Pneumonia: Case Report and Literature Review. In: Tanaffos. Band: 14, Nummer: 2, 2015, p. 156-60.
  5. Campbell, Reece: Biologie. Pearson Deutschland 2009, ISBN: 978-3-827-37287-1 .
  6. Kayser et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie. 11. Auflage Thieme 2005, ISBN: 3-134-44811-4 .
  7. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  8. Groß: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 3. Auflage Thieme 2013, ISBN: 978-3-131-41653-7 .
  9. Traupe, Hamm: Pädiatrische Dermatologie. 2. Auflage Springer 2005, ISBN: 978-3-540-31259-8 .
  10. Abeck, Cremer: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-44979-4 .
  11. Neumann, Schäfer: Mikroskopische Diagnostik in der Frauenarztpraxis. Springer 2012, ISBN: 3-642-20935-1 .