• Klinik

Akuter arterieller Verschluss einer Extremität (Akute Extremitätenischämie)

Abstract

Der akute arterielle Verschluss einer Extremität hat eine Ischämie im Versorgungsgebiet der Arterie zur Folge, die unbehandelt zur irreversiblen Gewebsnekrose führt. Klinisch stellt sich die Extremität schmerzhaft, blass und kalt dar. Therapeutisch ist die schnellstmögliche Reperfusion anzustreben. Neben konservativen Maßnahmen (wie Extremitätentieflagerung) kommen in der Regel interventionelle Verfahren (gefäßchirurgisch oder endovaskulär) und medikamentöse Therapie (Antikoagulation, Analgesie) zur Anwendung. Bei schneller Reperfusion ist die Prognose gut, bei länger anhaltender Ischämie drohen irreversible Schäden, die lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen können und evtl. eine Amputation der Extremität erfordern.

Ätiologie

Pathophysiologie

  • Ischämietoleranz
  • Bei Überschreiten der Ischämietoleranz → irreversible Schädigung des Gewebes

Symptome/Klinik

Stadien

Einteilung nach TASC [1][2]

Grad Neurologische Defizite Dopplersignal Gefährdung und Therapiemöglichkeiten
Sensibilität Motorik Arteriell Venös
I
  • Normal
  • Normal
  • Nachweisbar
  • Nachweisbar
  • Nicht vital bedroht
II a
  • Minimale Einschränkung
  • Normal
  • Oft nicht nachweisbar
  • Nachweisbar
  • Gering gefährdet → Unverzügliche Revaskularisation indiziert
b
  • Deutliche Einschränkung
  • Ruheschmerz
  • Geringe bis mäßige Defizite
  • Nicht nachweisbar
  • Nachweisbar
  • Unmittelbar gefährdet → Sofortige Revaskularisation indiziert
III
  • Anästhesie
  • Paralyse
  • Nicht nachweisbar
  • Nicht nachweisbar

Insbesondere Einschränkungen der Motorik und/oder der Sensibilität sind entscheidende Parameter, um die Bedrohung der Extremität zu beurteilen! Ein beginnender Sensibilitätsverlust ist häufig das erste Zeichen für eine akute vitale Gefährdung der Extremität!

Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung

  • Anamnese zu pAVK, Herzerkrankungen etc.
  • Pulsstatus
  • Hautfarbe und -temperatur
  • Motorik
  • Neurologische Ausfälle

Bildgebende Verfahren

Therapie

Akut

Konservativ

Interventionell

  • Chirurgisch
  • Lokale Thrombolysetherapie (mittels Urokinase, rt-PA; kontinuierliche lokale Infusions- oder Infiltrationsthrombolyse)
  • Kathetergestützte mechanische Thrombembolektomie (z.B. Aspirationsthrombembolektomie)
  • Ultima ratio: Amputation der Extremität

Anschließend muss eine mögliche Emboliequelle (z.B. Rhythmusstörungen) abgeklärt werden und evtl. eine Antikoagulation erfolgen!

Bei akutem Verschluss ist eine sofortige Therapie durchzuführen, da der Behandlungserfolg direkt von der vorliegenden Ischämiedauer abhängt!

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • Gute Prognose, wenn Embolektomie in den ersten 6 Stunden durchgeführt wird
  • Schlechte Prognose bei Verschlüssen über 6 Stunden → Evtl. Amputation

Prävention

  • Therapie der Grunderkrankung
    • Popliteaaneurysma
      • Indikationen zur Operation (Veneninterponat mit chirurgischer Exklusion des Aneurysmas)
        • Symptomatische Aneurysmata generell
        • Asymptomatische Aneurysmata: Durchmesser >2 cm in Kombination mit einem elongierten Verlauf
  • Evtl. Antikoagulation

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • I74.-: Arterielle Embolie und Thrombose
    • Inklusive: Infarkt: embolisch, thrombotisch; Verschluss: embolisch, thrombotisch
    • I74.2: Embolie und Thrombose der Arterien der oberen Extremitäten
    • I74.3: Embolie und Thrombose der Arterien der unteren Extremitäten
    • I74.4: Embolie und Thrombose der Extremitätenarterien, nicht näher bezeichnet
      • Periphere arterielle Embolie

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.