Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Aktinomykose

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

Abstracttoggle arrow icon

Bei der Aktinomykose handelt es sich nicht – wie der Name suggeriert – um eine Pilzinfektion, sondern um eine bakterielle Mischinfektion mit Aktinomyzeten. Diese nehmen im Rahmen des Entzündungsgeschehens zwar eine zentrale Rolle ein, sind aber auf ein anaerobes Milieu angewiesen, das sie durch die Mitbeteiligung von aeroben und somit sauerstoffverbrauchenden Bakterien erhalten. Da sich die beteiligten Erreger physiologischerweise in der Mundflora (und im Darm) befinden, nimmt die Erkrankung auch dort in der Regel ihren Anfang. Durch Verletzungen kommt es zur häufigsten Manifestation im Bereich von Mund, Gesicht und Hals (zervikofaziale Aktinomykose). Potentiell kann die Aktinomykose sich im gesamten Körper manifestieren. Klinisch zeigen sich derbe, entzündete Knoten – häufig mit eitrigen Fistelgängen. Charakteristisch ist der Nachweis von Drusen (eitrige kleine Körnchen). Neben einer antibiotischen Therapie muss je nach Ausmaß zusätzlich eine chirurgische Sanierung erfolgen. Unbehandelt verläuft die Aktinomykose chronisch-progredient.

  • Vorkommen: Weltweit, in Europa selten
  • Alter: Häufigkeitsgipfel im jungen Erwachsenenalter
  • Geschlecht: > (3:1)

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Erreger

Infektionsweg

  • Zervikofaziale Form: Teil der physiologischen Mundflora, Verletzungen erlauben das Eindringen der Erreger (Tonsillitis, Zahninfektion, Zahnextraktion)
  • Abdominelle/intestinale Form: Meist Folge von Darmoperationen
  • Thorakale Form: Meist durch Aspiration von erregerhaltigem Sekret (sehr selten)
  • Hepatische Form: Durch hämatogene Streuung über die V. portae (sehr selten)
  • Aktinomyzeten finden sich physiologisch in der Mundflora (und im Darm) → Verletzungen, Aspiration, Bisswunden, andere Formen der Speichelkontamination oder Darmoperationen erlauben das Eindringen des Erregers → Durch eine Mischinfektion mit aeroben Bakterien entsteht ein für Aktinomyzeten optimales sauerstoffarmes Milieu → Eitrige, sich ausbreitende Entzündung mit Ausbildung von derbem Granulationsgewebe und nekrotischen Einschmelzungen → Häufig Fistelbildung (selten hämatogene Streuung)
  • Aktinomyzeten können an der Genese von Karies und Parodontitis beteiligt sein

Zervikofaziale Aktinomykose

  • Häufigste Manifestation
  • Betrifft Hals und/oder Gesicht (z.B. Mund oder Tränenkanälchen → Kanalikulitis)
  • Derbe Knoten, evtl. Fisteln
  • Eiterentleerung mit sog. Drusen (ca. 1 mm große Granula)

Seltene Manifestationen

  • Nachweis von Drusen
  • PCR-Diagnostik: Zur Speziesbestimmung und Identifizierung hilfreich
  • Kultur: Nachweis ist möglich, dauert allerdings mehrere Wochen und ist aufwändig

  • Mit Therapie: Starke Rezidivneigung
  • Ohne Therapie: Chronisch-progredient, Einbruch in benachbarte Strukturen möglich, selten hämatogene Streuung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Hasamen, Machtens et al.: Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie. 4. Auflage Springer 2012, ISBN: 3-642-17801-4 .
  2. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  3. Siewert: Chirurgie. 8. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-30450-0 .
  4. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  5. Empfehlungen zur kalkulierten parenteralen Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2010. Stand: 4. Juni 2010. Abgerufen am: 5. Mai 2015.