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ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker

Abstract

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks. In der Therapie der arteriellen Hypertonie stellt es einen Angriffspunkt für die ACE-Hemmer und Sartane dar. Durch Verminderung der Bildung oder Antagonisierung von Angiotensin II wird unter anderem der Blutdruck gesenkt – andere Indikationen sind die medikamentöse Therapie nach Myokardinfarkt und die chronische Herzinsuffizienz. Aufgrund ihrer nephroprotektiven Wirkung werden ACE-Hemmer und Sartane bei Vorschädigung der Nieren (v.a. bei Diabetes mellitus) eingesetzt, sind jedoch bspw. bei chronischer Niereninsuffizienz relativ kontraindiziert. Neben Hypotonien zeichnen sich ACE-Hemmer im Vergleich zu Sartanen durch häufigen, Bradykinin-bedingten Reizhusten aus, welcher eine Umstellung der Medikation erfordert.

Wirkstoffe und Dosierungshinweise

ACE-Hemmer

Ramipril

Wirkstoff Ramipril (z.B. Delix®------)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial: Ramipril 1,25–2,5 mg p.o. 1-0-0, schrittweise Annäherung an die Tagesmaximaldosis von 10 mg, einmalig oder auf zwei Gaben am Tag verteilt
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Vorgeschichte von hereditärem oder idiopathischem Angioödem; Vorgeschichte von Angioödem unter einer früheren Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist
  • Hämodynamisch relevante Nierenarterienstenose (beidseitig oder bei Einzelniere) und bei hypotensiv oder hämodynamisch instabilen Patienten
  • Gleichzeitige Therapie mit ACE-Hemmern und extrakorporalen Behandlungen , die zu einem Kontakt von Blut mit negativ geladenen Oberflächen führt
  • Einnahme von Aliskiren-haltigen Arzneimitteln
  • Kombination mit Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (ARA-II) bei Patienten mit diabetischer Nephropathie
  • Ramipril darf im Falle einer Schwangerschaft nicht angewandt werden
DANI
  • GFR <50 mL/min: Dosishalbierung und/oder individuelle Dosisanpassung, Tagesmaximaldosis 5 mg
  • GFR <20 mL/min: Individuelle Dosierungsstrategie unter strenger Überwachung der Nierenfunktion und engmaschigen Elektrolytkontrollen
DALI
  • Dosisreduktion, Tagesmaximaldosis 2,5 mg
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kontraindikation bei Patienten <18 J.

Enalapril

Wirkstoff Enalapril (z.B. Epril®------)
Applikation
  • p.o
Indikationen und Standarddosierungen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Vorgeschichte von hereditärem oder idiopatischem Angioödem, Vorgeschichte von Angioödem unter einer früheren Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist
  • Zweites und drittes Trimester der Schwangerschaft
  • Einnahme von Aliskiren-haltigen Arzneimitteln
DANI
  • GFR <80 mL/min: 5–10 mg/Tag
  • GFR <30 mL/min: 2,5–5 mg/Tag
  • GFR <11 mL/min und Dialyse: Max. 2,5 mg am Dialysetag
DALI
  • Keine Dosisanpassung erforderlich
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kinder 20–50 kg: Empfohlene Anfangsdosis 2,5 mg p.o. 1-0-0, Tagesmaximaldosis 20 mg
  • Kinder ≥50 kg: Empfohlene Anfangsdosis 5 mg p.o. 1-0-0, Tagesmaximaldosis 40 mg
  • Kontraindikation bei Neugeborenen und bei GFR <30 mL/min

Captopril

Wirkstoff Captopril (z.B. Captosol®---------)
Applikation
  • p.o.
Indikationen und Standarddosierungen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Vorgeschichte von hereditärem oder idiopatischem Angioödem, Vorgeschichte von Angioödem unter einer früheren Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Anurie
  • Einnahme von Aliskiren-haltigen Arzneimitteln
DANI
  • GFR <40(60) mL/min: Tagesmaximaldosis von 75(100) mg p.o.
  • GFR <20 mL/min: Tagesmaximaldosis von 25 mg p.o.
DALI
  • Keine Dosisanpassung erforderlich
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • 0,15–0,3 mg/kgKG pro Tag, i.d.R. 3 Gaben, Tagesmaximaldosis 2 mg/kgKG pro Tag

Lisinopril

Wirkstoff Lisinopril (z.B. Lisitril®---------)
Applikation
  • p.o.
Indikationen und Standarddosierungen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Vorgeschichte von hereditärem oder idiopatischem Angioödem, Vorgeschichte von Angioödem unter einer früheren Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Anurie
  • Einnahme von Aliskiren-haltigen Arzneimitteln
DANI
  • GFR <80 mL/min: Initial 5–10 mg/Tag
  • GFR <30 mL/min: Initial 2,5–5 mg/Tag
  • GFR <10 mL/min: Initial 2,5 mg, Tagesmaximaldosis 40 mg
DALI
  • Keine Dosisanpassung erforderlich
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kinder 20–50 kg: Empfohlene Anfangsdosis 2,5 mg p.o. 1-0-0, Tagesmaximaldosis 20 mg
  • Kinder ≥50 kg: Empfohlene Anfangsdosis 5 mg p.o. 1-0-0, Tagesmaximaldosis 40 mg
  • Kontraindikation bei Neugeborenen und bei GFR <30 mL/Min.

Sartane (AT1-Rezeptorblocker, ARB)

Valsartan

Wirkstoff Valsartan (z.B. Diovan®-------)
Applikation
  • p.o.
Indikationen und Standarddosierungen
Zu beachten

Candesartan

Wirkstoff Candesartan (z.B. Atacand®--------)
Applikation
  • p.o.
Indikationen und Standarddosierungen
Zu beachten

Losartan

Handelsnamen Losartan (z.B. Lorzaar®--------)
Applikation
  • p.o.
Indikationen und Standarddosierungen
Zu beachten

Direkte Renin-Inhibitoren

Aliskiren

Wirkstoff Aliskiren (z.B. Rasilez®--------)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Initial Aliskiren 150 mg p.o. 1-0-0, Erhöhung auf Tagesmaximaldosis 300 mg p.o. 1-0-0 möglich
Indikationen
Kontraindikationen

Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insbesondere aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.

Übersicht

Wirkstoffe (Auswahl) günstig ungünstig
ACE-Hemmer Enalapril, Lisinopril, Ramipril, Captopril
Sartane

Valsartan, Candesartan, Losartan

Direkte Renin-Inhibitoren Aliskiren

Wirkung

Wirkmechanismus und Wirkung
ACE-Hemmer
AT1-Rezeptorblocker (Sartane)
  • Mittel der 2. Wahl bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit
  • Antagonismus am AT1-Rezeptor Vasokonstriktion durch Angiotensin II und Sekretion Aldosteron↓ → RR↓
  • Anhand aktueller Studienlage auch andere Wirkungen vergleichbar mit ACE-Hemmern (Remodeling↓ u.a.)
Direkte Renin-Inhibitoren

Nebenwirkung

Allgemeine Nebenwirkungen von ACE-Hemmern und Sartanen

Spezielle Nebenwirkungen von ACE-Hemmern

  • Reizhusten: Häufig trockener Husten (bis zu 20 %; bei Sartanen dagegen selten)
    • Konsequenz: Umstellung auf Sartane
  • Weitere: Geschmacksstörungen, gastrointestinale Nebenwirkungen

Spezielle Nebenwirkungen von Sartanen

Spezielle Nebenwirkungen von direkten Renin-Inhibitoren

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Indikation

Aliskiren ist nur bei arteriellem Hypertonus zugelassen!

Kontraindikation

Kontraindikationen von ACE-Hemmern und Sartanen

Kontraindikationen von direkten Renin-Inhibitoren

Es werden die wichtigsten Kontraindikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Interaktion

Pathophysiologie

Reguläre, vereinfachte Funktion des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)

Bei einem Blutdruckabfall kommt es zu einer verminderten Perfusion der Niere. Sollte der Druck in der Nierenarterie um mehr als 10–15 mmHg abfallen, kommt es zur reflektorischen Freisetzung des proteolytisch aktiven Renins aus dem juxtaglomerulären Apparat der Niere. Das Renin katalysiert die Umwandlung von Angiotensinogen zu Angiotensin I, welches wiederum vom Angiotensin-Converting-Enzym zu dem Hormon Angiotensin II umgewandelt wird. Angiotensin II führt zu einer Vasokonstriktion und stimuliert weiterhin die Freisetzung von Aldosteron, welches zu einer vermehrten Retention von Wasser und Natrium-Ionen führt; beide Mechanismen führen zu einem Anstieg des Blutdrucks. Die in diesem Kapitel erwähnten Medikamente wirken grundsätzlich der hypertensiven Wirkung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems entgegen.

Therapieempfehlungen

Um schwere Hypotonien zu vermeiden, sollte mit niedriger Dosierung (am besten unter kontrollierten Bedingungen in der Praxis) begonnen werden!