• Klinik

Östrogenwirkung und assoziierte Erkrankungen

Abstract

Östrogen ist eines der wichtigsten weiblichen Sexualhormone. Das Steroidhormon wird hauptsächlich in den Ovarien (weniger auch z.B. in Nebennierenrinde und Fettgewebe) durch Umwandlung von Androgenen gebildet und zyklusabhängig ausgeschüttet. Östrogen ist zur Ausprägung und Aufrechterhaltung der primären und sekundären Geschlechtsorgane essentiell, wirkt aber auch an multiplen anderen Organsystemen im Körper (z.B. Knochenstoffwechsel, Blutgerinnung, Leber). Im Rahmen des Klimakteriums kommt es zu einer Abnahme des Östrogenspiegels mit entsprechenden körperlichen Veränderungen. Auch Männer produzieren Östrogene, physiologischerweise überwiegt jedoch die Androgenwirkung. Kommt es aber zu einem hormonellen Ungleichgewicht, kann sich beispielsweise eine Gynäkomastie - eine Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann - ausbilden.

Allgemeines

Östrogen fördert die sexuelle Entwicklung der Frau und stimuliert die Reifung/Ausprägung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale.

Synthese

Adipositas führt zu einer vermehrten Östrogensynthese in den Fettzellen und ist dadurch ein wichtiger Risikofaktor für Mammakarzinome!

Wirkung

Genital

Extragenital

  • Knochen: Knochenaufbau über Aktivierung der Osteoblasten, Schluss der Epiphysenfugen
  • Gefäßsystem: Protektiver Effekt (positiver Effekt auf Fettstoffwechsel, antihypertensiv)
  • Blutgerinnung: Erhöhte Thrombose- und Gerinnungsneigung
  • Weibliche Fettverteilung
  • Niere: Wasser- und Natriumretention erhöht → Wassereinlagerung
  • Proteinsynthese: Verstärkt (anabole Wirkung)
  • Leber: Verminderung der Bilirubinausscheidung

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen eines erhöhten Östrogenspiegels durch endogene Produktion oder medikamentöse Gabe

  • Gewichtszunahme (Wassereinlagerung)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Hepatotoxizität
  • Vergrößerung der Mammae (Gynäkomastie beim Mann, s. unten), Galaktorrhö
  • Erhöhte ThromboseneigungVermehrt kardiovaskuläre Ereignisse
  • Depressive Verstimmung
  • Änderung der Stimmlage
  • Einfluss auf das Risiko von Karzinomen (meist bei Hormonsubstitution in der Menopause):

Erhöhte Thromboseneigung!

Östrogenmangel

Siehe Klimakterium

Gynäkomastie

Echte Gynäkomastie

Falsche Gynäkomastie

  • Definition: Lipomastie (Fetteinlagerung) in die Brust bei Adipositas
  • Ätiologie: Adipositas
  • Therapie: Gewichtsabnahme

Physiologische Gynäkomastie

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.