Pharmakologie

Enzyme und ihre Substrate – Schwanger trotz Pille?

Diese Möglichkeit besteht tatsächlich und zwar nicht nur bei unsachgemäßer Einnahme der Pille. Schuld daran kann eine gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten sein. Diese beeinflussen CYP3A4, ein Enzym des Cytochrom-P450-Systems der Leber, welches eine wichtige Rolle bei der Biotransformation körpereigener und -fremder Stoffe spielt.

Sehr viele Medikamente werden durch diese Enzymfamilie aktiviert bzw. zur Ausscheidung vorbereitet. Zu den Substraten von CYP3A4 gehören u.a. auch Steroidhormone wie Östrogene und Progesteron. Einige Substanzen und Arzneimittel wie z.B. Johanniskraut interagieren mit CYP3A4 und induzieren bzw. hemmen so seine Aktivität. Eine Enzyminduktion führt zu einer beschleunigten Umsetzung und dadurch zu einem schnelleren Abbau des Substrates – das Medikament wirkt also weniger stark und weniger lang.

Wenn eine Patientin unter hormoneller Kontrazeption (z.B. “Pille”) gleichzeitig einen Enzyminduktor einnimmt, kann dieser die Wirkung des Kontrazeptivums abschwächen! Dies ist nur ein Beispiel einer Medikamenteninteraktion – es zeigt aber, wie wichtig es ist, die pharmakologischen Grundlagen zu beherrschen.

Lieber chillen als Pillen killen

Buntes Laub, Kastanien und kürzere Tage… es ist nicht mehr zu leugnen: Der Rekordsommer hat sich verabschiedet und die ersten kühlen Nächte haben bereits die Quälgeister Nr. 1 im Gepäck: Grippe- und Erkältungsviren! Viele Erkältungsgeplagte greifen gerne zu Kombipräparaten. Diese enthalten mindestens ein Analgetikum/Antipyretikum zur Fiebersenkung und Linderung der Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein Mittel mit abschwellender Wirkung auf die Nasenschleimhaut (z.B. Pseudoephedrin).

Eine schlichte Erkältung äußert sich jedoch zum Glück häufig nicht mit all diesen Symptomen. Daher sind einige der enthaltenen Wirkstoffe überflüssig, zeigen aber natürlich trotzdem ihre (Neben-)Wirkungen. Pseudoephedrin zum Beispiel stimuliert den Sympathikus: das macht kurzfristig leistungsfähiger, allerdings mit der Gefahr der Überanstrengung und dem Hinauszögern oder Verschlimmern des grippalen Infekts - im Extremfall bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen (wie einer Herzmuskelentzündung). Deshalb sind wir mit “Abwarten und Tee trinken” und einem Tag auf dem Sofa am besten beraten, wenn es uns erwischt hat.

Einen guten und gesunden Start in die dunkle, kalte und gemütliche Jahreszeit wünscht euch die AMBOSS-Redaktion!