Neuroanatomie

Winterschlaf is coming

Die Tage werden kürzer und dahin ist die ganze Energie, mit der man im Sommer morgens aus dem Bett gehüpft ist und auch eine Vorlesung um acht kein Problem war. Eines ist klar: Je weniger Sonne wir abbekommen, desto müder fühlen wir uns. Aber warum ist das so?

Mit dafür verantwortlich ist die Zirbeldrüse (Glandula pinealis), eine kleine Drüse im Gehirn. Sie bildet aus dem wichtigen Monoamin Serotonin das müde machende Hormon Melatonin. Diese Reaktion wird lichtabhängig gesteuert. Je weniger Licht auf den Sehnerv trifft, desto mehr Melatonin wird synthetisiert und ausgeschüttet. Die Folge: Wir fühlen uns müde und abgeschlagen.

Man geht außerdem davon aus, dass eine heruntergesetzte Aktivität serotonerger Neurone eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielt. Substanzen, die die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt erhöhen, gehören bei deren Behandlung sogar zu den Medikamenten der ersten Wahl.

Der ganze Körper ist eine Uhr

Jetlag, Schichtarbeit, Partyweekend oder einfach nur der Beginn der Sommerzeit – die innere Uhr des Körpers muss sich immer wieder an die äußeren Bedingungen anpassen. Gut, dass der zirkadiane Rhythmus flexibel ist. Aber was sind eigentlich die Taktgeber der inneren Uhr, die für den Tag-Nacht-Rhythmus zuständig ist?

Unsere innere Uhr besteht eigentlich aus ganz vielen Uhren, die in den verschiedenen Geweben nach ihren eigenen Zeitplänen ticken. Es gibt allerdings eine “Masterclock”: Der endogene Taktgeber all dieser einzelnen Uhren ist der Ncl. suprachiasmaticus des Hypothalamus. Die molekulare Basis des Takts bilden Proteine, deren Level in einem 24h-Rhythmus oszillieren.

Für die Entdeckung dieser Mechanismen erhielten Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young 2017 den Nobelpreis für Medizin.

Nobelpreis in Physiologie oder Medizin 2017 (nobelprize.org)

Neurophysiologische Untersuchungen und Schlaf (in AMBOSS)

Zwischenhirn (in AMBOSS)