Altruismus

Hilfst du mir, helf ich dir! Ein kleiner Ausflug in die Evolutionsbiologie.

Schon mal was von Verwandtenselektion gehört? Der Begriff wurde in den 1960er Jahren von den Biologen John Maynard Smith und William D. Hamilton geprägt. Mit der Verwandtenselektion versucht man zu erklären, warum sich ein Individuum einem genetisch verwandten Individuum gegenüber kooperativ und altruistisch verhält. Die Weitergabe eigener Gene (Gesamtfitness) addiert sich dabei aus der direkten Fitness (direkte Weitergabe eigener Gene) und der indirekten Fitness (Weitergabe eigener Gene indirekt über Verwandte). Die These: Je näher uns ein Individuum genetisch steht, desto eher sind wir zu altruistischem Verhalten bereit, da aufgrund der höheren indirekten Fitness mehr von unseren eigenen Genen in den Nachkommen dieses Individuums fortbestehen.

So weiß man aus dem Reich der sozialen Insekten, dass bspw. Bienen einen besonders ausgeprägten Hang zu eusozialem Verhalten haben, was man ihrem besonders hohen Verwandtschaftsgrad zuschreibt. Dabei haben Schwestern untereinander mit durchschnittlich 75% sogar einen höheren Verwandtschaftsgrad als Mutter und Tochter mit nur 50%. Es ist genetisch gesehen im Sinne der Gesamtfitness (indirekte Fitness höher als direkte Fitness) also schlüssig, zugunsten des Nachwuchses einer Schwester (der Bienenkönigin) auf eigenen Nachwuchs zu verzichten.

Ist also jeder Altruismus eines Individuums im Grunde genommen ein Egoismus unserer Gene? Es gibt viele Verfechter dieser Theorie, jedoch auch einige erbitterte Gegner. Wer auch immer schlussendlich Recht behält, ein bisschen Teamwork schadet nie, da kooperative Gruppen durchschnittlich bessere Chancen im Wettbewerb haben, egal ob und wie ihre Mitglieder miteinander verwandt sind!