Klinik-Bezug

Jeden Tag ein Ei und Ostern auch mal zwei!?

Alle Jahre wieder stolpert man über die Frage, was Eier noch mal mit Ostern zu tun haben. Diese Ungewissheit hält die Einwohner Deutschlands jedoch anscheinend nicht vom Verzehr der weiß-gelben Versuchung ab, denn um Ostern herum erhöhen sie ihren wöchentlichen Konsum von durchschnittlich 4 auf 7 Eier. Doch ist das eigentlich gesund?

Die biologische Wertigkeit des Volleis ist gerade wegen seines Anteils an essentiellen Aminosäuren sehr hoch. Es liefert zudem einige Vitamine (u.a. A, D, E, K, Folsäure) und Zink. Viel diskutiert wird dagegen das reichlich enthaltene Cholesterin. Gemeinsam mit Tabakrauchen, arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus gehört die Hyperlipoproteinämie zu den Hauptrisikofaktoren für Atherosklerose.

Das Fazit bisheriger Studien: Ein gesunder Erwachsener mit einer ausgewogenen Ernährung kann bis zu 5 Hühnereier wöchentlich essen, ohne dadurch sein kardiovaskuläres Risiko zu erhöhen. Aus diesen Ergebnissen lässt sich keine pauschale Empfehlung ableiten, wie viele Eier für ein bestimmtes Individuum gut sind – gesünder als Schokoeier sind sie aber allemal.

Zweites Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes

Am 14. Februar diesen Jahres wurde das „Zweite Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes – Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO)“ vom Parlament mehrheitlich beschlossen. Ziel ist die Verbesserung der Bedingungen für die Organspende. Den Grund für den Rückgang der Organspendeanzahl sieht die Politik nämlich nicht in einer gesunkenen Spenderbereitschaft, sondern vielmehr in ungünstigen strukturellen und finanziellen Bedingungen für die Entnahmekliniken. Daher wurden vier zentrale Punkte festgelegt:

1) Refinanzierung und Freistellung der Transplantationsbeauftragten von anderen Aufgaben gemäß verbindlicher Vorgaben

2) Verbesserung der  Vergütung für die Entnahmekrankenhäuser

3) Einrichtung eines Rufbereitschaftsdienstes, um auch kleinen Entnahmekliniken die fachliche Kompetenz zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls bereitzustellen

4) Festlegung der Grundlagen zum anonymisierten Briefaustausch zwischen Organempfänger und Familie des Spenders

Damit bleibt die sog. „Entscheidungslösung“ gültig: Ein Patient muss noch zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben (bspw. mittels Organspendeausweis oder Patientenverfügung), damit eine Entnahme von Organen möglich ist. Liegt eine solche schriftliche Zustimmung nicht vor, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Patientenwillen gefragt. In vielen anderen europäischen Ländern (bspw. Frankreich, Spanien oder Italien) gilt hingegen das sog. „Widerspruchsrecht“: Die verstorbene Person muss zu Lebzeiten einer Organspende ausdrücklich widersprochen haben, ansonsten können Organe für eine Transplantation entnommen werden.

Schonmal was von Stuhltransplantation gehört?

Ja, du hast tatsächlich richtig gelesen - die Stuhltransplantation bzw. fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) gibt es tatsächlich. Und obwohl die FMT noch nicht offiziell zugelassen ist, so scheint sie doch bei der Behandlung von bestimmten Darmerkrankungen sehr vielversprechend. Die größte Bedeutung hat sie bisher in der Therapie der Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile.

Eine solche Infektion bleibt meist so lange unauffällig, bis es zu einer Antibiotikatherapie kommt. Diese bringt die natürliche Darmflora aus dem Gleichgewicht und das relativ resistente Clostridium difficile Bakterium kann den Darm überwuchern. Es folgen Fieber, Bauchschmerzen und übelriechende Durchfälle. Treten diese immer wieder rezidivierend auf oder sind gegenüber den etablierten Behandlungsmethoden therapieresistent, kann eine Stuhltransplantation in vielen Fällen Abhilfe schaffen.

Der Stuhl eines gesunden Spenders wird dabei mit physiologischer Kochsalzlösung zu einer Suspension verarbeitet und anschließend u.a. koloskopisch oder mittels Kapseln appliziert. Dabei wird die gesunde Darmflora des Spenders an die Stelle übertragen, wo sie beim Empfänger aus dem Gleichgewicht geraten ist.

In der FMT steckt auch das Potenzial zur Therapie weiterer Darmerkrankungen - aktuell wurden etwa interessante Forschungsergebnisse bei Colitis-ulcerosa-Patienten erzielt.

“Maybe it’s lupus”...

…diesen Satz bekommt man in der Arztserie Dr. House häufig zu hören. Der systemische Lupus Erythematodes ist im realen Arztleben zwar eine seltene, aber wichtige Differentialdiagnose aus dem Bereich der Rheumatologie. Doch womit beschäftigt sich ein Rheumatologe eigentlich sonst noch? In seinem Wartezimmer finden sich nicht nur Menschen mit Lupus oder dicken Gelenken, sondern Patienten mit den unterschiedlichsten Autoimmunerkrankungen. Je nachdem, welches Rädchen im Immunsystem gerade defekt ist, reichen die Symptome von Wirbelsäulenversteifung bis hin zu Nierenversagen.

In der Therapie hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Vor allem die Biologicals (z.B. CD20-Antikörper oder Interleukin-Inhibitoren), die als spezielle, zielgerichtete Antikörper und Proteine an bestimmten Stellen im Immunsystem eingreifen, helfen heute Patienten, denen früher nur die langfristige Einnahme von Cortison mit seinen vielen Nebenwirkungen übrig blieb.

Infos zur Rheumatologie oder zu Studentenprogrammen finden sich auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Enzyme und ihre Substrate – Schwanger trotz Pille?

Diese Möglichkeit besteht tatsächlich und zwar nicht nur bei unsachgemäßer Einnahme der Pille. Schuld daran kann eine gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten sein. Diese beeinflussen CYP3A4, ein Enzym des Cytochrom-P450-Systems der Leber, welches eine wichtige Rolle bei der Biotransformation körpereigener und -fremder Stoffe spielt.

Sehr viele Medikamente werden durch diese Enzymfamilie aktiviert bzw. zur Ausscheidung vorbereitet. Zu den Substraten von CYP3A4 gehören u.a. auch Steroidhormone wie Östrogene und Progesteron. Einige Substanzen und Arzneimittel wie z.B. Johanniskraut interagieren mit CYP3A4 und induzieren bzw. hemmen so seine Aktivität. Eine Enzyminduktion führt zu einer beschleunigten Umsetzung und dadurch zu einem schnelleren Abbau des Substrates – das Medikament wirkt also weniger stark und weniger lang.

Wenn eine Patientin unter hormoneller Kontrazeption (z.B. “Pille”) gleichzeitig einen Enzyminduktor einnimmt, kann dieser die Wirkung des Kontrazeptivums abschwächen! Dies ist nur ein Beispiel einer Medikamenteninteraktion – es zeigt aber, wie wichtig es ist, die pharmakologischen Grundlagen zu beherrschen.

Was schlapper Salat mit Diabetes zu tun hat

Bei beidem spielt Osmose eine Rolle, also das Diffusionsphänomen an einer semipermeablen Membran zwischen zwei Kompartimenten mit unterschiedlichen Stoffkonzentrationen. Zum Konzentrationsausgleich fließen Wassermoleküle vom Ort der niedrigeren Konzentration zum Ort der höheren Konzentration. Die hypertone Salatsoße bspw. enthält viel Salz, weshalb die Salatzellen Wasser abgeben und schlapp werden.

Was beim Salat nicht ganz so tragisch klingt, führt bei Diabetes mellitus zum typischen Symptom der Polyurie. Normalerweise wird Glucose in der Niere frei filtriert und im Tubulussystem wieder vollständig resorbiert, d.h. der Urin enthält keine Glucose. Wird allerdings bei erhöhtem Blutzucker sehr viel Glucose filtriert und dabei die Nierenschwelle überschritten, sind die Transporter für die Rückresorption überlastet. Es verbleibt also osmotisch aktive Glucose im Tubuluslumen, wodurch der osmotische Gradient zwischen Tubuluslumen und Interstitium reduziert wird. Aus diesem Grund wird weniger Wasser resorbiert: Es kommt zur Polyurie mit vermehrter Wasserausscheidung und entsprechend gesteigertem Durstgefühl.

Berauschende Weihnachtszeit

Muskat sorgt für das besondere Etwas in Muttis Kartoffelbrei, weihnachtlichen Plätzchen und Glühwein – aber das Gewürz hat auch seine Tücken: In hohen Dosen kann es zu halluzinogenen Wirkungen sowie nicht zu unterschätzenden Vergiftungserscheinungen kommen (u.a. Übelkeit, Tachykardie, Kopfschmerzen und Angstzustände)!

Grund hierfür ist vermutlich das enthaltene Myristicin, das in seiner Struktur einer Vorstufe des im Ecstasy enthaltenen MDMA ähnelt und als schwacher Hemmer der Monoaminoxidase wirkt. Der Abbau ihrer Substrate, u.a. Adrenalin und Noradrenalin, ist folglich reduziert, sodass deren Effekte im Körper verstärkt auftreten können.

Um einen halluzinogen-toxischen Effekt zu erzielen, müssten allerdings sehr große Mengen Muskatnuss konsumiert werden, sodass ein “normaler” Konsum von Glühwein eher aus anderen Gründen berauscht…

Advent, Advent, es wird geschlemmt ;)

Bald schon stehen die Feiertage vor der Tür und bereits seit einigen Wochen locken die Regale der Supermärkte mit süßen Versuchungen aller Art. Wer kann da schon widerstehen?

Und so legt auch fast jeder über die Feiertage wenige hundert Gramm an Gewicht zu, was jedoch gesundheitlich meist völlig unbedenklich und nach dem nächsten Skiurlaub wieder verschwunden ist. Doch wenn man bereits mit den Kilos kämpft, können Weihnachtsgans und Co. durchaus zu einer gesundheitlichen Herausforderung werden.

Die repräsentative “Nationale Verzehrsstudie II” entlarvte mehr als 37% der deutschen Erwachsenen als (im engeren Sinne) übergewichtig und sogar 20% als adipös. Mit anderen Worten: Jeder zweite Deutsche ist (viel) zu dick! Übergewicht gilt als einer der Hauptrisikofaktoren bei der Entstehung der koronaren Herzkrankheit, der Todesursache Nummer eins in den Industrienationen. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen weiteren Folgeerkrankungen, die Übergewicht mit sich bringt: Diabetes mellitus, Gelenkerkrankungen, Depressionen und Störungen der Fruchtbarkeit sind nur einige Beispiele einer langen Liste.

Es gilt aber natürlich auch in diesem Fall: Wer in Maßen schlemmt und ab und zu aktiv Kalorien verbrennt, kann ohne schlechtes Gewissen zum Süßigkeitenteller greifen.

An apple a day keeps the Skorbut away

Ausfallende Zähne, ständige Infekte, langsame Wundheilung - alles typische Symptome von Skorbut, einer Hypovitaminose, die durch einen Mangel an Vitamin C ausgelöst wird. Skorbut war bei den alten Seefahrern eine häufige und oft lebensbedrohliche Erkrankung, da deren Nahrung an Bord oft mehrere Monate lang haltbar sein musste und daher kaum frisches Obst oder Gemüse beinhaltete.

In den heutigen Industrienationen glaubte man Skorbut quasi ausgerottet - denn schon eine halbe Paprika oder eine Apfelsine am Tag decken die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesdosis an Vitamin C von 95 mg für Frauen bzw. 110 mg für Männer. Umso erschreckender, dass eine Diabetologin in Australien vor kurzer Zeit bei einigen ihrer Patienten Skorbut diagnostiziert hat. Auf Nachfrage gaben diese an, kein oder nur völlig verkochtes Obst und Gemüse zu essen.

Eine Vitamin-C-Substitution empfiehlt die DGE übrigens nicht: Lediglich schwer körperlich arbeitende oder extremer Kälte ausgesetzte Personen würden davon profitieren. Da überschüssiges Vitamin C nicht gespeichert, sondern über die Nieren ausgeschieden wird, besteht die Wirkung von Vitamin-C-Präparaten also v.a. in der Ausscheidung von ziemlich teurem und saurem Urin ;-).

Winterschlaf is coming

Die Tage werden kürzer und dahin ist die ganze Energie, mit der man im Sommer morgens aus dem Bett gehüpft ist und auch eine Vorlesung um acht kein Problem war. Eines ist klar: Je weniger Sonne wir abbekommen, desto müder fühlen wir uns. Aber warum ist das so?

Mit dafür verantwortlich ist die Zirbeldrüse (Glandula pinealis), eine kleine Drüse im Gehirn. Sie bildet aus dem wichtigen Monoamin Serotonin das müde machende Hormon Melatonin. Diese Reaktion wird lichtabhängig gesteuert. Je weniger Licht auf den Sehnerv trifft, desto mehr Melatonin wird synthetisiert und ausgeschüttet. Die Folge: Wir fühlen uns müde und abgeschlagen.

Man geht außerdem davon aus, dass eine heruntergesetzte Aktivität serotonerger Neurone eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielt. Substanzen, die die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt erhöhen, gehören bei deren Behandlung sogar zu den Medikamenten der ersten Wahl.

Lieber chillen als Pillen killen

Buntes Laub, Kastanien und kürzere Tage… es ist nicht mehr zu leugnen: Der Rekordsommer hat sich verabschiedet und die ersten kühlen Nächte haben bereits die Quälgeister Nr. 1 im Gepäck: Grippe- und Erkältungsviren! Viele Erkältungsgeplagte greifen gerne zu Kombipräparaten. Diese enthalten mindestens ein Analgetikum/Antipyretikum zur Fiebersenkung und Linderung der Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein Mittel mit abschwellender Wirkung auf die Nasenschleimhaut (z.B. Pseudoephedrin).

Eine schlichte Erkältung äußert sich jedoch zum Glück häufig nicht mit all diesen Symptomen. Daher sind einige der enthaltenen Wirkstoffe überflüssig, zeigen aber natürlich trotzdem ihre (Neben-)Wirkungen. Pseudoephedrin zum Beispiel stimuliert den Sympathikus: das macht kurzfristig leistungsfähiger, allerdings mit der Gefahr der Überanstrengung und dem Hinauszögern oder Verschlimmern des grippalen Infekts - im Extremfall bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen (wie einer Herzmuskelentzündung). Deshalb sind wir mit “Abwarten und Tee trinken” und einem Tag auf dem Sofa am besten beraten, wenn es uns erwischt hat.

Einen guten und gesunden Start in die dunkle, kalte und gemütliche Jahreszeit wünscht euch die AMBOSS-Redaktion!

Nobelpreis, die Erste

Heute wurden die diesjährigen Nobelpreisträger in der Medizin bekannt gegeben. Auch von uns einen herzlichen Glückwunsch an James P. Allison und Tasuku Honjo, die "für ihre Entdeckungen in der Krebsbehandlung durch Inhibition der negativen Immunregulation" ausgezeichnet wurden. Wir wollen diese Preisverleihung zum Anlass nehmen, einmal in die Vergangenheit dieser bedeutsamen Auszeichnung zu blicken.

Gleich der erste Physik-Nobelpreis wurde im Jahr 1901 für eine bahnbrechende Entdeckung vergeben, die aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken ist: Die Röntgenstrahlung!

Man muss aber kein Streber mit lückenlosem Lebenslauf sein, um so viel zu erreichen. Denn auch Wilhelm Conrad Röntgens Leben ist nicht immer ganz nach Plan verlaufen. So flog er sogar ohne Abitur von der Schule – weil er fälschlicherweise für den Schöpfer einer Karikatur seines Lehrers gehalten wurde, den wahren Schuldigen aber nicht verpfeifen wollte. Ein ziemlich sympathischer Typ, der zum Wohle der Menschheit sogar auf eine Patentanmeldung seiner von ihm als “X-Strahlen” bezeichneten Entdeckung verzichtete und Preisgelder stets der Wissenschaft spendete.

Und für Jeden, den jetzt die Lust gepackt hat, mehr übers Röntgen zu erfahren, gibt’s hier die Links zu den entsprechenden Amboss-Kapiteln :-)

Ionisierende Strahlung (in AMBOSS)

Röntgen (in AMBOSS)

Einfache Mittel bei großen Katastrophen

Erdbeben auf Lombok, Überschwemmungen in Kerala: Bei Naturkatastrophen und anderen Ereignissen, welche die Infrastruktur beschädigen, droht neben der unmittelbaren Gefahr oft der Ausbruch von Infektionskrankheiten. So kam es 2017 im Jemen infolge des Bürgerkriegs zur weltweit größten Cholera-Epidemie der Geschichte mit ca. 1 Million Fällen.

Das Bakterium Vibrio cholerae wird v.a. über fäkal kontaminiertes Wasser oder Nahrungsmittel übertragen. Sein Toxin aktiviert die Adenylatzyklase, wodurch cAMP ansteigt und Gs-Proteine aktiviert werden, was zur gesteigerten Chlorid- und Wassersekretion ins Darmlumen, und letztlich zu wässrigem Durchfall führt. Therapeutisch steht die prompte Rehydratation mit einer Trinklösung aus Glucose, Natriumchlorid und anderen Elektrolyten im Vordergrund.

Die ORT (Oral Rehydration Therapy) ist nicht nur kostengünstig und schnell verfügbar, sondern auch effektiv, da sie den Na+-Glucose-Symporter nutzt. Während andere Absorptionsmechanismen von Na+ (und damit der Aufbau des entscheidenden Gradienten für die Wasserresorption!) bei Cholera gestört sind, bleibt die Funktion des Na+-Glucose-Symporters nämlich erhalten.

Natürlich findest du in AMBOSS noch mehr zum Thema Wasser- und Elektrolythaushalt. Wenn du schon einen Blick in die Klinik wagen willst, kannst du dich im Kapitel Bakterielle Durchfallerkrankungen auch genauer über Cholera informieren.

WHO position paper on Oral Rehydration Salts to reduce mortality from cholera 

Ärzte Zeitung online: Cholera-Epidemie im Jemen verlangsamt sich

Electrolytes & Blood Pressure: Recent Advances of Oral Rehydration Therapy (ORT)

Addiction 2.0 – Zocken, bis der Arzt kommt

Schon gehört? Die ICD-10, das Klassifikationssystem zur Verschlüsselung medizinischer Diagnosen, soll 2022 von einer neuen Version, der ICD-11, abgelöst werden. Und das sorgt bereits jetzt für Diskussionen.

Die wohl umstrittenste Entscheidung ist, die Videospielsucht (Gaming Disorder) in den Krankheitskatalog aufzunehmen. Viele Gamer und auch einige Wissenschaftler befürchten, dass Vielspieler vorschnell als psychisch krank stigmatisiert werden könnten oder andere mögliche Ursachen pathologischen Spielverhaltens (z.B. Depressionen) außer Acht gelassen werden. Andererseits könnte die Behandlung Betroffener verbessert und intensivere Forschung ermöglicht werden.

Zockst du auch gerne mal die Nächte durch und hast deswegen schon die ein oder andere Vorlesung sausen lassen? Keine Sorge, für die Diagnose “Gaming Disorder” müssen weitaus strengere Kriterien erfüllt werden, wie z.B. eine signifikante Vernachlässigung des Soziallebens über einen Zeitraum von mind. 12 Monaten.

Wenn du es genau wissen willst, kannst du dich direkt bei der WHO über die Diagnosekriterien informieren. Einen Überblick über den aktuellen Diskurs findest du z.B. bei Die Zeit.

Du hast noch Fragen zum Thema ICD? Alle Informationen zu den (IMPP-relevanten) Klassifikationssystemen findest du im AMBOSS-Kapitel Ärztliche Urteilsbildung und Entscheidung.

Abhängigkeit und Drogen (in AMBOSS)

Am 28. Juli ist Welt-Hepatitis-Tag

Weltweit sind ca. 420 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-B- oder C-Virus (HBV/HCV) infiziert, bis zu 600.000 davon in Deutschland. HCV ist ein RNA-Virus, das v.a. durch kontaminierte Nadeln übertragen wird. HBV ist dagegen ein DNA-Virus, das meist sexuell übertragen wird und gegen das es eine Impfung gibt.

Ein Großteil der akuten Hepatitiden verläuft asymptomatisch, weshalb sie unbemerkt einen chronischen Verlauf bis hin zur irreversiblen Leberzirrhose nehmen können. Dies betrifft v.a. die akute Hepatitis C, da 50–85% der unbehandelten Fälle chronifizieren. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie ist aus diesem Grund essentiell. Daher lautet das Motto des diesjährigen Welt-Hepatitis-Tages: „Findet die fehlenden Millionen!“

Die Grundlagen der Virologie sowie die wichtigsten Fakten zu Hepatitis B und Hepatitis C kannst du in AMBOSS nachlesen.

Warum muss ich das lernen? Lipophilie und Säure-Base-Gleichgewichte

Lipophil und lipophob, diese Begriffe werden oft mit Essig und Öl in einer Salatsauce erklärt. Warum die Moleküleigenschaften für dich als Mediziner aber auch außerhalb der Küche wichtig sind, ist schnell erklärt:

Ärzte müssen wissen, wie oral verabreichte Medikamente vom Körper absorbiert werden. Als Wirkstoffe kommen i.d.R. organische Moleküle zur Anwendung, die entweder schwache Säuren (z.B. Aspirin) oder schwache Basen (z.B. Morphine) sind. Weil die Zellen des Körpers keine Transportsysteme für diese Wirkstoffmoleküle besitzen, müssen sie durch die Zellmembran hindurch diffundieren und deswegen lipophil sein.

Säuren sind Moleküle, die ein Proton abspalten können, wohingegen Basen ein Proton aufnehmen. Dabei entstehen geladene Moleküle, die lipophob sind und nicht durch Membranen diffundieren können. Je nach pH-Wert der Umgebung liegt das Gleichgewicht entweder eher auf Seiten der geladenen, lipophoben oder der ungeladenen, lipophilen Form: Säuren sind ungeladen, wenn sie sich in saurer Umgebung befinden, weil sie dann protoniert vorliegen. Basen sind ungeladen, wenn sie sich in basischer Umgebung befinden, weil sie dann nicht protoniert vorliegen.

Wird ein Wirkstoff oral aufgenommen, dann befindet er sich im Magen zunächst in einer stark sauren Umgebung, im Darm dann in einer leicht basischen. Saure Wirkstoffe wie im Aspirin werden daher schon fast vollständig im Magen absorbiert, basische Wirkstoffe wie Morphine hingegen erst im Darm.

Säure-Base-Haushalt (in AMBOSS)

Pharmakokinetik (in AMBOSS)

Zellmembran (in AMBOSS)

Warum muss ich das lernen? Löslichkeitsprodukt

Hast du auch schon einmal gehört, dass man nicht zu viel Rhabarber oder Spinat essen sollte? Dieser vielleicht etwas merkwürdigen Ernährungsempfehlung liegt ein simples chemisches Prinzip zugrunde: die Löslichkeit von Salzen.

Kationen und Anionen liegen in Lösung normalerweise getrennt voneinander vor und scheiden sich erst dann als Feststoff ab, wenn die Konzentration der Ionen das sog. Löslichkeitsprodukt des Salzes überschreitet. Die meisten Elektrolyte sind extrem gut löslich, sodass ihr Löslichkeitsprodukt selten oder nie überschritten wird. Eine Ausnahme bilden schwerlösliche Salze wie z.B. das Calciumphosphat oder das Calciumoxalat. Lebensmittel, die wie Rhabarber reich an Oxalat sind, können so tatsächlich zu einem Absinken der Calciumkonzentration führen – jedoch nur beim Verzehr größerer Mengen über einen längeren Zeitraum.

Im Vergleich zum Absinken der Elektrolytkonzentration ist das Abscheiden dieser Salze als Feststoffe jedoch problematischer, da sie in der Harnblase Steine bilden können.

“Ich hab eine Oberschenkelzerrung im linken Fuß.”

Es ist wieder soweit: Am 14. Juni hat die Fußball-WM begonnen und wir können wieder einmal bestaunen, zu welchen Höchstleistungen der menschliche Körper fähig ist. Andererseits wird es sicherlich kaum ein Spiel geben, bei dem das medizinische Team nicht mindestens einmal mit Köfferchen auf den Platz rennt, denn pro Spiel verletzen sich durchschnittlich zwei Spieler. Zu den häufigsten Fußballer-Verletzungen gehören übrigens Muskelzerrungen und -faserrisse (meist im Oberschenkel) sowie Bänderdehnungen und -risse (am häufigsten im oberen Sprunggelenk oder Knie). Die Maßnahmen zur Akutbehandlung von Profis und Hobbysportlern kann man sich mit der „PECH“-Regel merken: Pause → Eis → Compression → Hochlagern.

Eine Übersicht zu den häufigsten Sportverletzungen findest du im Klinik-Kapitel Sportverletzungen.

Und jetzt: weiterhin viel Spaß beim Fußballgucken!

(Das obige Zitat stammt übrigens vom ehemaligen Nationalspieler Guido Buchwald.)

Warum muss ich das lernen? Hämoglobintypen

α always, becomes β, γ goes – auch mit dem besten Lernspruch ist es gar nicht so leicht, sich die Hämoglobintypen zu merken. Und wozu brauche ich das eigentlich als Arzt? Zum Beispiel, um eine Thalassämie zu diagnostizieren!

Bei dieser Gruppe von Erbkrankheiten kommt es aufgrund einer verminderten bis fehlenden Produktion von α- bzw. β-Globinketten zu einer Störung der Hämoglobinsynthese. Ein Defekt der β-Ketten kommt besonders häufig im Mittelmeerraum vor (sog. β-Thalassämie); dabei werden anstelle des beim gesunden Erwachsenen vorherrschenden HbA1 (ααββ) vermehrt HbA2 (ααδδ) und HbF (ααγγ) gebildet.

Je nach Ausprägung unterscheidet man Minor- und Majorformen. Meist verursachen sie eine Anämie, nach deren Schweregrad sich dann die Behandlung richtet. So sind z.T. regelmäßige Bluttransfusionen nötig, um eine extramedulläre Erythropoese in Leber, Milz oder Knochen zu unterdrücken. In schweren Fälle kann eine Stammzelltransplantation erwogen werden.

Mehr Informationen zu den Hämoglobintypen findest du hier.

Du hast Lust, schon mal einen Blick in die Klinik zu wagen? Hier findest du das Kapitel zu Thalassämien.