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Jeden Tag ein Ei und Ostern auch mal zwei!?

Alle Jahre wieder stolpert man über die Frage, was Eier noch mal mit Ostern zu tun haben. Diese Ungewissheit hält die Einwohner Deutschlands jedoch anscheinend nicht vom Verzehr der weiß-gelben Versuchung ab, denn um Ostern herum erhöhen sie ihren wöchentlichen Konsum von durchschnittlich 4 auf 7 Eier. Doch ist das eigentlich gesund?

Die biologische Wertigkeit des Volleis ist gerade wegen seines Anteils an essentiellen Aminosäuren sehr hoch. Es liefert zudem einige Vitamine (u.a. A, D, E, K, Folsäure) und Zink. Viel diskutiert wird dagegen das reichlich enthaltene Cholesterin. Gemeinsam mit Tabakrauchen, arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus gehört die Hyperlipoproteinämie zu den Hauptrisikofaktoren für Atherosklerose.

Das Fazit bisheriger Studien: Ein gesunder Erwachsener mit einer ausgewogenen Ernährung kann bis zu 5 Hühnereier wöchentlich essen, ohne dadurch sein kardiovaskuläres Risiko zu erhöhen. Aus diesen Ergebnissen lässt sich keine pauschale Empfehlung ableiten, wie viele Eier für ein bestimmtes Individuum gut sind – gesünder als Schokoeier sind sie aber allemal.

Ein ganzer Tennisplatz oder doch nur ein halbes Badmintonfeld?

Lange Zeit ging man davon aus, dass der gesamte Verdauungskanal durch seine vielen histologischen Strukturen zur Oberflächenvergrößerung (z.B. Zotten und Bürstensaum) eine Schleimhautoberfläche von über 250 Quadratmetern hat. Damit entspräche die Schleimhaut in etwa der Fläche eines auf 260 Quadratmeter genormten Tennisplatzes.

Bereits 2014 haben schwedische Forscher diese Werte hinterfragt: Durch licht- und elektronenmikroskopische Morphometrie an Biopsien gesunder Probanden kamen sie auf gerade einmal 30-40 Quadratmeter Schleimhautoberfläche. Aus einem ganzen Tennisplatz wird so nur noch ein halbes Badmintonfeld. In diesem Fall wäre die resorptive Leistungsfähigkeit des Verdauungssystems umso beeindruckender!

Wenn du Kerckring-Falten, Zotten und Co. sowie die übrigen Abschnitte des Gastrointestinaltrakts einmal genauer betrachten willst, kannst du dir unsere neueste Histo-Trainer-Serie bestehend aus drei Videos zur Histologie von Ösophagus, Magen, Dünn- und Dickdarm anschauen.

Die Videos sowie weitere Infos zum Thema “Verdauung” findest du im entsprechenden AMBOSS-Kapitel oder als reines Video auf unserem Youtube-Kanal.

Zweites Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes

Am 14. Februar diesen Jahres wurde das „Zweite Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes – Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO)“ vom Parlament mehrheitlich beschlossen. Ziel ist die Verbesserung der Bedingungen für die Organspende. Den Grund für den Rückgang der Organspendeanzahl sieht die Politik nämlich nicht in einer gesunkenen Spenderbereitschaft, sondern vielmehr in ungünstigen strukturellen und finanziellen Bedingungen für die Entnahmekliniken. Daher wurden vier zentrale Punkte festgelegt:

1) Refinanzierung und Freistellung der Transplantationsbeauftragten von anderen Aufgaben gemäß verbindlicher Vorgaben

2) Verbesserung der  Vergütung für die Entnahmekrankenhäuser

3) Einrichtung eines Rufbereitschaftsdienstes, um auch kleinen Entnahmekliniken die fachliche Kompetenz zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls bereitzustellen

4) Festlegung der Grundlagen zum anonymisierten Briefaustausch zwischen Organempfänger und Familie des Spenders

Damit bleibt die sog. „Entscheidungslösung“ gültig: Ein Patient muss noch zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben (bspw. mittels Organspendeausweis oder Patientenverfügung), damit eine Entnahme von Organen möglich ist. Liegt eine solche schriftliche Zustimmung nicht vor, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Patientenwillen gefragt. In vielen anderen europäischen Ländern (bspw. Frankreich, Spanien oder Italien) gilt hingegen das sog. „Widerspruchsrecht“: Die verstorbene Person muss zu Lebzeiten einer Organspende ausdrücklich widersprochen haben, ansonsten können Organe für eine Transplantation entnommen werden.

Da bleibt einem die Spucke weg

Vor mündlichen Prüfungen sind viele Menschen sehr aufgeregt. Aufregung bedeutet akuten Stress für unseren Körper: Der Mund fühlt sich trocken an, die Hände sind schwitzig, das Blut rauscht einem laut durch den Kopf und das Herz schlägt schneller. Bedanken darf man sich beim sympathischen Nervensystem.

In Stresssituationen wird der Sympathikus mit seiner leistungssteigernden Wirkung aktiv und stellt unseren Körper sozusagen auf „Kämpfen oder Flucht“ ein („fight or flight“). Die Verdauung wird heruntergefahren, was auch bedeutet, dass in den Speicheldrüsen weniger und schleimigeres Sekret produziert wird. Schweißsekretion, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an, um die Muskulatur ausreichend mit Blut zu versorgen und zu kühlen.

Was bei einem Kampf gegen Bären und Säbelzahntiger hilfreich war, ist in mündlichen Prüfungen häufig lästig. Falls euch die Prüfer jedoch auffressen wollen, seid ihr natürlich bestens gewappnet.

Aber im Ernst: Ruhe bewahren, das AMBOSS-Kapitel über die mündliche Physikumsprüfung lesen, Prüfungssituationen mit Freunden durchspielen und vielleicht die ein oder andere Entspannungsübung einlegen – dann klappt es auch mit den Nerven.

Schonmal was von Stuhltransplantation gehört?

Ja, du hast tatsächlich richtig gelesen - die Stuhltransplantation bzw. fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) gibt es tatsächlich. Und obwohl die FMT noch nicht offiziell zugelassen ist, so scheint sie doch bei der Behandlung von bestimmten Darmerkrankungen sehr vielversprechend. Die größte Bedeutung hat sie bisher in der Therapie der Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile.

Eine solche Infektion bleibt meist so lange unauffällig, bis es zu einer Antibiotikatherapie kommt. Diese bringt die natürliche Darmflora aus dem Gleichgewicht und das relativ resistente Clostridium difficile Bakterium kann den Darm überwuchern. Es folgen Fieber, Bauchschmerzen und übelriechende Durchfälle. Treten diese immer wieder rezidivierend auf oder sind gegenüber den etablierten Behandlungsmethoden therapieresistent, kann eine Stuhltransplantation in vielen Fällen Abhilfe schaffen.

Der Stuhl eines gesunden Spenders wird dabei mit physiologischer Kochsalzlösung zu einer Suspension verarbeitet und anschließend u.a. koloskopisch oder mittels Kapseln appliziert. Dabei wird die gesunde Darmflora des Spenders an die Stelle übertragen, wo sie beim Empfänger aus dem Gleichgewicht geraten ist.

In der FMT steckt auch das Potenzial zur Therapie weiterer Darmerkrankungen - aktuell wurden etwa interessante Forschungsergebnisse bei Colitis-ulcerosa-Patienten erzielt.

Woher die schrumpeligen Finger beim Baden wirklich kommen

Bei längerem Baden gelangt Wasser durch Osmose in die oberflächlichen Hautzellen, wodurch die Haut aufquillt und Runzeln bildet - dieser Irrglaube ist weit verbreitet!

Jedoch entstehen die Falten wahrscheinlich durch eine sympathisch vermittelte Vasokonstriktion in den Händen und Füßen, nachdem Wasser in die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen eingedrungen ist. Die Vasokonstriktion führt zu einer Volumenabnahme(!) des Gewebes und damit zu einer Faltung der darüberliegenden Haut.

Unterstützt wird diese These dadurch, dass bei Patienten mit peripheren Nervenläsionen keine Schrumpelhaut an Händen oder Füßen beim Baden auftritt. Dieser Effekt ist so deutlich, dass er sogar als Testmethode für periphere Nervenläsionen genutzt werden kann!

Wozu die Schrumpelhaut dient, ist noch unklar. Man vermutet, dass die Falten ähnlich dem verstärkten Profil von Winterreifen wirken und z.B. das Greifen nasser Gegenstände erleichtern sollen.

Hilfst du mir, helf ich dir! Ein kleiner Ausflug in die Evolutionsbiologie.

Schon mal was von Verwandtenselektion gehört? Der Begriff wurde in den 1960er Jahren von den Biologen John Maynard Smith und William D. Hamilton geprägt. Mit der Verwandtenselektion versucht man zu erklären, warum sich ein Individuum einem genetisch verwandten Individuum gegenüber kooperativ und altruistisch verhält. Die Weitergabe eigener Gene (Gesamtfitness) addiert sich dabei aus der direkten Fitness (direkte Weitergabe eigener Gene) und der indirekten Fitness (Weitergabe eigener Gene indirekt über Verwandte). Die These: Je näher uns ein Individuum genetisch steht, desto eher sind wir zu altruistischem Verhalten bereit, da aufgrund der höheren indirekten Fitness mehr von unseren eigenen Genen in den Nachkommen dieses Individuums fortbestehen.

So weiß man aus dem Reich der sozialen Insekten, dass bspw. Bienen einen besonders ausgeprägten Hang zu eusozialem Verhalten haben, was man ihrem besonders hohen Verwandtschaftsgrad zuschreibt. Dabei haben Schwestern untereinander mit durchschnittlich 75% sogar einen höheren Verwandtschaftsgrad als Mutter und Tochter mit nur 50%. Es ist genetisch gesehen im Sinne der Gesamtfitness (indirekte Fitness höher als direkte Fitness) also schlüssig, zugunsten des Nachwuchses einer Schwester (der Bienenkönigin) auf eigenen Nachwuchs zu verzichten.

Ist also jeder Altruismus eines Individuums im Grunde genommen ein Egoismus unserer Gene? Es gibt viele Verfechter dieser Theorie, jedoch auch einige erbitterte Gegner. Wer auch immer schlussendlich Recht behält, ein bisschen Teamwork schadet nie, da kooperative Gruppen durchschnittlich bessere Chancen im Wettbewerb haben, egal ob und wie ihre Mitglieder miteinander verwandt sind!

Mhmmm...dein HLA riecht ausgezeichnet!

Wenn man jemanden anziehend findet, kann man ihn buchstäblich „gut riechen“. Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Geruch einen entscheidenden Beitrag zur Partnerwahl leistet. Doch was genau riecht man da eigentlich?

Über den Schweiß wird eine persönliche Duftnote übermittelt und diese ist abhängig vom individuellen HLA-Profil. Bei den HLAs, den Human Leucocyte Antigens, handelt es sich um in der Zellmembran verankerte Glykoproteine, mit deren Hilfe das Immunsystem bspw. ”fremd” von “eigen” unterscheiden kann.

Bei der Partnerwahl ist aus evolutionsbiologischer Sicht entscheidend, dass sich das eigene genetische Material zugunsten des potentiellen Nachwuchs gut ergänzt. Da dessen Überlebenschancen insb. durch ein gut ausgebautes Immunsystem deutlich erhöht werden, empfindet man Personen attraktiver, deren HLA-Merkmale stark von den eigenen abweichen. Das haben Wissenschaftler in den 90er Jahren untersucht, indem sie Studentinnen den Geruch der verschwitzten T-Shirts ihrer Kommilitonen bewerten ließen und die Ergebnisse mit den HLA-Untersuchungen abglichen.

Es empfiehlt sich also, nicht nur die Augen bei der Partnerwahl offenzuhalten, sondern auch die Nase!

Ewiges Leben? Das Unsterblichkeitsenzym

Humane Zellen können sich nicht beliebig oft teilen, denn normalerweise verkürzt sich die DNA bei jeder Replikation ein kleines Stück an ihren Enden, den nicht-kodierenden sog. Telomeren. Sind diese weitgehend aufgebraucht, geht die Zelle zugrunde oder in einen Ruhezustand über – die Zellpopulationen können sich nicht mehr erneuern und der Alterungsprozess setzt ein.

Einige Zellen, wie bspw. Stamm- oder bestimmte Epithelzellen, besitzen jedoch mit der Telomerase ein eingebautes "Anti-Aging-Enzym". Diese reverse Transkriptase kann aus RNA wieder DNA herstellen und so die Telomere verlängern. Dadurch bleibt das Erbgut auch nach vielen Zellteilungen geschützt, weshalb sich die Zelle beliebig oft teilen kann. Diese Unsterblichkeit birgt jedoch auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr: In Krebszellen schafft die Telomerase die Voraussetzung zur ungehemmten Proliferation.

Somit ist die Telomerase nicht nur bei der Altersforschung von Interesse, sondern auch ein möglicher Ansatzpunkt für Krebsmedikamente. Ihre Entdeckung wurde vor zehn Jahren übrigens mit dem Nobelpreis ausgezeichnet!

Neue Superfruit? Wie Kaki-Tannine antiviral wirken

Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, die in vielen Pflanzen wie Kaffee, grüner/schwarzer Tee oder Kakis enthalten sind. Das Interessante an den Kaki-Tanninen ist ihre besondere Stärke gegen Viren: Weder behüllte noch unbehüllte Viren haben gegen sie eine Chance!

Die Tannine unreifer Kakis interagieren mit den Virusproteinen und verhindern so deren Anheftung an die Wirtszellen. Dadurch kann der Erreger nicht in diese eindringen und die Virusreplikation kommt zum Stillstand. Auch wenn die Untersuchungen zu den Wirkungen der Kaki-Tannine im Labor erfolgten und so natürlich nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar sind, kann es aber sicher nicht schaden, die eine oder andere leckere Frucht zu genießen.

“Maybe it’s lupus”...

…diesen Satz bekommt man in der Arztserie Dr. House häufig zu hören. Der systemische Lupus Erythematodes ist im realen Arztleben zwar eine seltene, aber wichtige Differentialdiagnose aus dem Bereich der Rheumatologie. Doch womit beschäftigt sich ein Rheumatologe eigentlich sonst noch? In seinem Wartezimmer finden sich nicht nur Menschen mit Lupus oder dicken Gelenken, sondern Patienten mit den unterschiedlichsten Autoimmunerkrankungen. Je nachdem, welches Rädchen im Immunsystem gerade defekt ist, reichen die Symptome von Wirbelsäulenversteifung bis hin zu Nierenversagen.

In der Therapie hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Vor allem die Biologicals (z.B. CD20-Antikörper oder Interleukin-Inhibitoren), die als spezielle, zielgerichtete Antikörper und Proteine an bestimmten Stellen im Immunsystem eingreifen, helfen heute Patienten, denen früher nur die langfristige Einnahme von Cortison mit seinen vielen Nebenwirkungen übrig blieb.

Infos zur Rheumatologie oder zu Studentenprogrammen finden sich auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Dein Histo-Prof sieht was, was du nicht siehst?! – NEU in AMBOSS: Histo-Trainer zum Thema “Lunge und Trachea”

Wenn du mit Staubpartikeln beladene Lungenmakrophagen oder die Zilien zur Reinigung der Atemwege sehen willst, kannst du dir unsere neueste Histo-Trainer-Folge "Lunge und Trachea" anschauen. In dieser widmen wir uns der Histologie der Atmungsorgane und zeigen dir, welche Strukturen du lichtmikroskopisch finden kannst, damit du auch beim selbstständigen Mikroskopieren genau weißt, worauf du achten musst.

Die Folge sowie weitere Infos zum Thema Atemwege und Lunge findest du im entsprechenden AMBOSS-Kapitel oder als reines Video auf unserem Youtube-Kanal.

Enzyme und ihre Substrate – Schwanger trotz Pille?

Diese Möglichkeit besteht tatsächlich und zwar nicht nur bei unsachgemäßer Einnahme der Pille. Schuld daran kann eine gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten sein. Diese beeinflussen CYP3A4, ein Enzym des Cytochrom-P450-Systems der Leber, welches eine wichtige Rolle bei der Biotransformation körpereigener und -fremder Stoffe spielt.

Sehr viele Medikamente werden durch diese Enzymfamilie aktiviert bzw. zur Ausscheidung vorbereitet. Zu den Substraten von CYP3A4 gehören u.a. auch Steroidhormone wie Östrogene und Progesteron. Einige Substanzen und Arzneimittel wie z.B. Johanniskraut interagieren mit CYP3A4 und induzieren bzw. hemmen so seine Aktivität. Eine Enzyminduktion führt zu einer beschleunigten Umsetzung und dadurch zu einem schnelleren Abbau des Substrates – das Medikament wirkt also weniger stark und weniger lang.

Wenn eine Patientin unter hormoneller Kontrazeption (z.B. “Pille”) gleichzeitig einen Enzyminduktor einnimmt, kann dieser die Wirkung des Kontrazeptivums abschwächen! Dies ist nur ein Beispiel einer Medikamenteninteraktion – es zeigt aber, wie wichtig es ist, die pharmakologischen Grundlagen zu beherrschen.

Wie gelangten eigentlich die Mitochondrien zu ihrer Doppelmembran?

Die Antwort darauf verbirgt sich hinter dem Begriff “Endosymbiontentheorie”. Die Mitochondrien waren einst freilebende Bakterien, die wohl von Vorläufern der heutigen Eukaryonten einverleibt (= endozytiert) wurden, ohne jedoch verdaut zu werden. Nach und nach entwickelte sich aus dem Zusammenleben der beiden Zellen ein symbiotisches Verhältnis: Aus den eingewanderten Bakterien entstanden für die Wirtszelle essentielle Energieproduzenten, die Teile ihres Genoms verloren und somit ebenfalls nicht mehr eigenständig überlebensfähig waren.

Durch die evolutionäre Herkunft der Mitochondrien als sog. Endosymbionten lassen sich einige Besonderheiten dieser Zellorganellen ableiten: Die mitochondriale DNA, die wie bei Prokaryonten ringförmig und ohne umhüllenden Zellkern organisiert ist, die 70S-Ribosomen und natürlich das Vorhandensein ihrer ganz speziellen Doppelmembran, die innen prokaryotisch und außen eukaryotisch aufgebaut ist.

Was schlapper Salat mit Diabetes zu tun hat

Bei beidem spielt Osmose eine Rolle, also das Diffusionsphänomen an einer semipermeablen Membran zwischen zwei Kompartimenten mit unterschiedlichen Stoffkonzentrationen. Zum Konzentrationsausgleich fließen Wassermoleküle vom Ort der niedrigeren Konzentration zum Ort der höheren Konzentration. Die hypertone Salatsoße bspw. enthält viel Salz, weshalb die Salatzellen Wasser abgeben und schlapp werden.

Was beim Salat nicht ganz so tragisch klingt, führt bei Diabetes mellitus zum typischen Symptom der Polyurie. Normalerweise wird Glucose in der Niere frei filtriert und im Tubulussystem wieder vollständig resorbiert, d.h. der Urin enthält keine Glucose. Wird allerdings bei erhöhtem Blutzucker sehr viel Glucose filtriert und dabei die Nierenschwelle überschritten, sind die Transporter für die Rückresorption überlastet. Es verbleibt also osmotisch aktive Glucose im Tubuluslumen, wodurch der osmotische Gradient zwischen Tubuluslumen und Interstitium reduziert wird. Aus diesem Grund wird weniger Wasser resorbiert: Es kommt zur Polyurie mit vermehrter Wasserausscheidung und entsprechend gesteigertem Durstgefühl.

Der Duft nach Keksen und Kindheit

Wir alle kennen das: Man riecht den Duft von Apfelstrudel, Tee und ausgeblasenen Kerzen und schon sitzen wir in Gedanken wieder im Wohnzimmer unserer Eltern und warten auf das Christkind. Dass der menschliche Geruchssinn mit dem Gedächtnis eng verknüpft ist, ist weitgehend bekannt. Woran das liegt, konnte die Wissenschaft allerdings noch nicht abschließend klären.

Man weiß jedoch bereits, dass der Geruchssinn eine besonders enge Verknüpfung mit dem Hippocampus hat, der „Schaltzentrale“ unseres Gedächtnisses. In wissenschaftlichen Studien wurde mithilfe von MRT-Untersuchungen herausgefunden, dass mit Gerüchen verknüpfte Erinnerungen zu einer verstärkten Aktivität des rechten vorderen Hippocampus führen.

Was lernen wir daraus? Immer schön im weihnachtlichen Wohnzimmer die AMBOSS-Kapitel lesen und bei der Prüfung bloß nicht die Zimtsterne vergessen! ;)

Ampelfarben im Taschentuch

Von grün über gelb bis rotfleckig können wir bei Schnupfen ein breites Farbspektrum in unseren Taschentüchern bewundern. Normalerweise dient das schleimige Sekret des respiratorischen Epithels der Nase der Befeuchtung und mechanischen Reinigung der Atemluft sowie der Aufbereitung von Duftstoffen und ist eine erste Barriere für Krankheitserreger.

Im Winter jedoch leidet die Schleimhaut durch trockene (Heizungs-)Luft und Kälte. Schmuggeln sich daraufhin Viren und Bakterien in die Nase, versucht das Epithel durch vermehrte Sekretion die Erreger auszuschwemmen (die Nase läuft) und die neutrophilen Granulozyten der unspezifischen Immunabwehr werden aktiv. Ihr Enzym Myeloperoxidase (MPO) greift die Erregerhülle mithilfe von Wasserstoffperoxid an. Die im MPO gebundenen Hämgruppen verleihen dem Sekret eine gelbliche bis grüne Farbe: je mehr Granulozyten, desto mehr MPO und desto dunkler und grüner das Sekret. Ob sich nun Bakterien oder Viren in der Nase aufhalten, lässt sich anhand der Farbe also nicht bestimmen. Grüner Schleim allein ist daher keine Indikation für ein Antibiotikum.

Rote Schlieren kommen meist von kleinen Blutungen oberflächlicher Gefäße (z.B. am Locus Kiesselbachii), die ebenfalls durch trockene Heizungsluft, Kälte sowie häufiges Schnäuzen schnell lädiert sind.

Berauschende Weihnachtszeit

Muskat sorgt für das besondere Etwas in Muttis Kartoffelbrei, weihnachtlichen Plätzchen und Glühwein – aber das Gewürz hat auch seine Tücken: In hohen Dosen kann es zu halluzinogenen Wirkungen sowie nicht zu unterschätzenden Vergiftungserscheinungen kommen (u.a. Übelkeit, Tachykardie, Kopfschmerzen und Angstzustände)!

Grund hierfür ist vermutlich das enthaltene Myristicin, das in seiner Struktur einer Vorstufe des im Ecstasy enthaltenen MDMA ähnelt und als schwacher Hemmer der Monoaminoxidase wirkt. Der Abbau ihrer Substrate, u.a. Adrenalin und Noradrenalin, ist folglich reduziert, sodass deren Effekte im Körper verstärkt auftreten können.

Um einen halluzinogen-toxischen Effekt zu erzielen, müssten allerdings sehr große Mengen Muskatnuss konsumiert werden, sodass ein “normaler” Konsum von Glühwein eher aus anderen Gründen berauscht…

Advent, Advent, es wird geschlemmt ;)

Bald schon stehen die Feiertage vor der Tür und bereits seit einigen Wochen locken die Regale der Supermärkte mit süßen Versuchungen aller Art. Wer kann da schon widerstehen?

Und so legt auch fast jeder über die Feiertage wenige hundert Gramm an Gewicht zu, was jedoch gesundheitlich meist völlig unbedenklich und nach dem nächsten Skiurlaub wieder verschwunden ist. Doch wenn man bereits mit den Kilos kämpft, können Weihnachtsgans und Co. durchaus zu einer gesundheitlichen Herausforderung werden.

Die repräsentative “Nationale Verzehrsstudie II” entlarvte mehr als 37% der deutschen Erwachsenen als (im engeren Sinne) übergewichtig und sogar 20% als adipös. Mit anderen Worten: Jeder zweite Deutsche ist (viel) zu dick! Übergewicht gilt als einer der Hauptrisikofaktoren bei der Entstehung der koronaren Herzkrankheit, der Todesursache Nummer eins in den Industrienationen. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen weiteren Folgeerkrankungen, die Übergewicht mit sich bringt: Diabetes mellitus, Gelenkerkrankungen, Depressionen und Störungen der Fruchtbarkeit sind nur einige Beispiele einer langen Liste.

Es gilt aber natürlich auch in diesem Fall: Wer in Maßen schlemmt und ab und zu aktiv Kalorien verbrennt, kann ohne schlechtes Gewissen zum Süßigkeitenteller greifen.