Alltags-Bezug

Jeden Tag ein Ei und Ostern auch mal zwei!?

Alle Jahre wieder stolpert man über die Frage, was Eier noch mal mit Ostern zu tun haben. Diese Ungewissheit hält die Einwohner Deutschlands jedoch anscheinend nicht vom Verzehr der weiß-gelben Versuchung ab, denn um Ostern herum erhöhen sie ihren wöchentlichen Konsum von durchschnittlich 4 auf 7 Eier. Doch ist das eigentlich gesund?

Die biologische Wertigkeit des Volleis ist gerade wegen seines Anteils an essentiellen Aminosäuren sehr hoch. Es liefert zudem einige Vitamine (u.a. A, D, E, K, Folsäure) und Zink. Viel diskutiert wird dagegen das reichlich enthaltene Cholesterin. Gemeinsam mit Tabakrauchen, arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus gehört die Hyperlipoproteinämie zu den Hauptrisikofaktoren für Atherosklerose.

Das Fazit bisheriger Studien: Ein gesunder Erwachsener mit einer ausgewogenen Ernährung kann bis zu 5 Hühnereier wöchentlich essen, ohne dadurch sein kardiovaskuläres Risiko zu erhöhen. Aus diesen Ergebnissen lässt sich keine pauschale Empfehlung ableiten, wie viele Eier für ein bestimmtes Individuum gut sind – gesünder als Schokoeier sind sie aber allemal.

Da bleibt einem die Spucke weg

Vor mündlichen Prüfungen sind viele Menschen sehr aufgeregt. Aufregung bedeutet akuten Stress für unseren Körper: Der Mund fühlt sich trocken an, die Hände sind schwitzig, das Blut rauscht einem laut durch den Kopf und das Herz schlägt schneller. Bedanken darf man sich beim sympathischen Nervensystem.

In Stresssituationen wird der Sympathikus mit seiner leistungssteigernden Wirkung aktiv und stellt unseren Körper sozusagen auf „Kämpfen oder Flucht“ ein („fight or flight“). Die Verdauung wird heruntergefahren, was auch bedeutet, dass in den Speicheldrüsen weniger und schleimigeres Sekret produziert wird. Schweißsekretion, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an, um die Muskulatur ausreichend mit Blut zu versorgen und zu kühlen.

Was bei einem Kampf gegen Bären und Säbelzahntiger hilfreich war, ist in mündlichen Prüfungen häufig lästig. Falls euch die Prüfer jedoch auffressen wollen, seid ihr natürlich bestens gewappnet.

Aber im Ernst: Ruhe bewahren, das AMBOSS-Kapitel über die mündliche Physikumsprüfung lesen, Prüfungssituationen mit Freunden durchspielen und vielleicht die ein oder andere Entspannungsübung einlegen – dann klappt es auch mit den Nerven.

Woher die schrumpeligen Finger beim Baden wirklich kommen

Bei längerem Baden gelangt Wasser durch Osmose in die oberflächlichen Hautzellen, wodurch die Haut aufquillt und Runzeln bildet - dieser Irrglaube ist weit verbreitet!

Jedoch entstehen die Falten wahrscheinlich durch eine sympathisch vermittelte Vasokonstriktion in den Händen und Füßen, nachdem Wasser in die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen eingedrungen ist. Die Vasokonstriktion führt zu einer Volumenabnahme(!) des Gewebes und damit zu einer Faltung der darüberliegenden Haut.

Unterstützt wird diese These dadurch, dass bei Patienten mit peripheren Nervenläsionen keine Schrumpelhaut an Händen oder Füßen beim Baden auftritt. Dieser Effekt ist so deutlich, dass er sogar als Testmethode für periphere Nervenläsionen genutzt werden kann!

Wozu die Schrumpelhaut dient, ist noch unklar. Man vermutet, dass die Falten ähnlich dem verstärkten Profil von Winterreifen wirken und z.B. das Greifen nasser Gegenstände erleichtern sollen.

Mhmmm...dein HLA riecht ausgezeichnet!

Wenn man jemanden anziehend findet, kann man ihn buchstäblich „gut riechen“. Die Wissenschaft ist sich einig, dass der Geruch einen entscheidenden Beitrag zur Partnerwahl leistet. Doch was genau riecht man da eigentlich?

Über den Schweiß wird eine persönliche Duftnote übermittelt und diese ist abhängig vom individuellen HLA-Profil. Bei den HLAs, den Human Leucocyte Antigens, handelt es sich um in der Zellmembran verankerte Glykoproteine, mit deren Hilfe das Immunsystem bspw. ”fremd” von “eigen” unterscheiden kann.

Bei der Partnerwahl ist aus evolutionsbiologischer Sicht entscheidend, dass sich das eigene genetische Material zugunsten des potentiellen Nachwuchs gut ergänzt. Da dessen Überlebenschancen insb. durch ein gut ausgebautes Immunsystem deutlich erhöht werden, empfindet man Personen attraktiver, deren HLA-Merkmale stark von den eigenen abweichen. Das haben Wissenschaftler in den 90er Jahren untersucht, indem sie Studentinnen den Geruch der verschwitzten T-Shirts ihrer Kommilitonen bewerten ließen und die Ergebnisse mit den HLA-Untersuchungen abglichen.

Es empfiehlt sich also, nicht nur die Augen bei der Partnerwahl offenzuhalten, sondern auch die Nase!

Neue Superfruit? Wie Kaki-Tannine antiviral wirken

Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, die in vielen Pflanzen wie Kaffee, grüner/schwarzer Tee oder Kakis enthalten sind. Das Interessante an den Kaki-Tanninen ist ihre besondere Stärke gegen Viren: Weder behüllte noch unbehüllte Viren haben gegen sie eine Chance!

Die Tannine unreifer Kakis interagieren mit den Virusproteinen und verhindern so deren Anheftung an die Wirtszellen. Dadurch kann der Erreger nicht in diese eindringen und die Virusreplikation kommt zum Stillstand. Auch wenn die Untersuchungen zu den Wirkungen der Kaki-Tannine im Labor erfolgten und so natürlich nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar sind, kann es aber sicher nicht schaden, die eine oder andere leckere Frucht zu genießen.

Enzyme und ihre Substrate – Schwanger trotz Pille?

Diese Möglichkeit besteht tatsächlich und zwar nicht nur bei unsachgemäßer Einnahme der Pille. Schuld daran kann eine gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten sein. Diese beeinflussen CYP3A4, ein Enzym des Cytochrom-P450-Systems der Leber, welches eine wichtige Rolle bei der Biotransformation körpereigener und -fremder Stoffe spielt.

Sehr viele Medikamente werden durch diese Enzymfamilie aktiviert bzw. zur Ausscheidung vorbereitet. Zu den Substraten von CYP3A4 gehören u.a. auch Steroidhormone wie Östrogene und Progesteron. Einige Substanzen und Arzneimittel wie z.B. Johanniskraut interagieren mit CYP3A4 und induzieren bzw. hemmen so seine Aktivität. Eine Enzyminduktion führt zu einer beschleunigten Umsetzung und dadurch zu einem schnelleren Abbau des Substrates – das Medikament wirkt also weniger stark und weniger lang.

Wenn eine Patientin unter hormoneller Kontrazeption (z.B. “Pille”) gleichzeitig einen Enzyminduktor einnimmt, kann dieser die Wirkung des Kontrazeptivums abschwächen! Dies ist nur ein Beispiel einer Medikamenteninteraktion – es zeigt aber, wie wichtig es ist, die pharmakologischen Grundlagen zu beherrschen.

Was schlapper Salat mit Diabetes zu tun hat

Bei beidem spielt Osmose eine Rolle, also das Diffusionsphänomen an einer semipermeablen Membran zwischen zwei Kompartimenten mit unterschiedlichen Stoffkonzentrationen. Zum Konzentrationsausgleich fließen Wassermoleküle vom Ort der niedrigeren Konzentration zum Ort der höheren Konzentration. Die hypertone Salatsoße bspw. enthält viel Salz, weshalb die Salatzellen Wasser abgeben und schlapp werden.

Was beim Salat nicht ganz so tragisch klingt, führt bei Diabetes mellitus zum typischen Symptom der Polyurie. Normalerweise wird Glucose in der Niere frei filtriert und im Tubulussystem wieder vollständig resorbiert, d.h. der Urin enthält keine Glucose. Wird allerdings bei erhöhtem Blutzucker sehr viel Glucose filtriert und dabei die Nierenschwelle überschritten, sind die Transporter für die Rückresorption überlastet. Es verbleibt also osmotisch aktive Glucose im Tubuluslumen, wodurch der osmotische Gradient zwischen Tubuluslumen und Interstitium reduziert wird. Aus diesem Grund wird weniger Wasser resorbiert: Es kommt zur Polyurie mit vermehrter Wasserausscheidung und entsprechend gesteigertem Durstgefühl.

Der Duft nach Keksen und Kindheit

Wir alle kennen das: Man riecht den Duft von Apfelstrudel, Tee und ausgeblasenen Kerzen und schon sitzen wir in Gedanken wieder im Wohnzimmer unserer Eltern und warten auf das Christkind. Dass der menschliche Geruchssinn mit dem Gedächtnis eng verknüpft ist, ist weitgehend bekannt. Woran das liegt, konnte die Wissenschaft allerdings noch nicht abschließend klären.

Man weiß jedoch bereits, dass der Geruchssinn eine besonders enge Verknüpfung mit dem Hippocampus hat, der „Schaltzentrale“ unseres Gedächtnisses. In wissenschaftlichen Studien wurde mithilfe von MRT-Untersuchungen herausgefunden, dass mit Gerüchen verknüpfte Erinnerungen zu einer verstärkten Aktivität des rechten vorderen Hippocampus führen.

Was lernen wir daraus? Immer schön im weihnachtlichen Wohnzimmer die AMBOSS-Kapitel lesen und bei der Prüfung bloß nicht die Zimtsterne vergessen! ;)

Ampelfarben im Taschentuch

Von grün über gelb bis rotfleckig können wir bei Schnupfen ein breites Farbspektrum in unseren Taschentüchern bewundern. Normalerweise dient das schleimige Sekret des respiratorischen Epithels der Nase der Befeuchtung und mechanischen Reinigung der Atemluft sowie der Aufbereitung von Duftstoffen und ist eine erste Barriere für Krankheitserreger.

Im Winter jedoch leidet die Schleimhaut durch trockene (Heizungs-)Luft und Kälte. Schmuggeln sich daraufhin Viren und Bakterien in die Nase, versucht das Epithel durch vermehrte Sekretion die Erreger auszuschwemmen (die Nase läuft) und die neutrophilen Granulozyten der unspezifischen Immunabwehr werden aktiv. Ihr Enzym Myeloperoxidase (MPO) greift die Erregerhülle mithilfe von Wasserstoffperoxid an. Die im MPO gebundenen Hämgruppen verleihen dem Sekret eine gelbliche bis grüne Farbe: je mehr Granulozyten, desto mehr MPO und desto dunkler und grüner das Sekret. Ob sich nun Bakterien oder Viren in der Nase aufhalten, lässt sich anhand der Farbe also nicht bestimmen. Grüner Schleim allein ist daher keine Indikation für ein Antibiotikum.

Rote Schlieren kommen meist von kleinen Blutungen oberflächlicher Gefäße (z.B. am Locus Kiesselbachii), die ebenfalls durch trockene Heizungsluft, Kälte sowie häufiges Schnäuzen schnell lädiert sind.

Berauschende Weihnachtszeit

Muskat sorgt für das besondere Etwas in Muttis Kartoffelbrei, weihnachtlichen Plätzchen und Glühwein – aber das Gewürz hat auch seine Tücken: In hohen Dosen kann es zu halluzinogenen Wirkungen sowie nicht zu unterschätzenden Vergiftungserscheinungen kommen (u.a. Übelkeit, Tachykardie, Kopfschmerzen und Angstzustände)!

Grund hierfür ist vermutlich das enthaltene Myristicin, das in seiner Struktur einer Vorstufe des im Ecstasy enthaltenen MDMA ähnelt und als schwacher Hemmer der Monoaminoxidase wirkt. Der Abbau ihrer Substrate, u.a. Adrenalin und Noradrenalin, ist folglich reduziert, sodass deren Effekte im Körper verstärkt auftreten können.

Um einen halluzinogen-toxischen Effekt zu erzielen, müssten allerdings sehr große Mengen Muskatnuss konsumiert werden, sodass ein “normaler” Konsum von Glühwein eher aus anderen Gründen berauscht…

Advent, Advent, es wird geschlemmt ;)

Bald schon stehen die Feiertage vor der Tür und bereits seit einigen Wochen locken die Regale der Supermärkte mit süßen Versuchungen aller Art. Wer kann da schon widerstehen?

Und so legt auch fast jeder über die Feiertage wenige hundert Gramm an Gewicht zu, was jedoch gesundheitlich meist völlig unbedenklich und nach dem nächsten Skiurlaub wieder verschwunden ist. Doch wenn man bereits mit den Kilos kämpft, können Weihnachtsgans und Co. durchaus zu einer gesundheitlichen Herausforderung werden.

Die repräsentative “Nationale Verzehrsstudie II” entlarvte mehr als 37% der deutschen Erwachsenen als (im engeren Sinne) übergewichtig und sogar 20% als adipös. Mit anderen Worten: Jeder zweite Deutsche ist (viel) zu dick! Übergewicht gilt als einer der Hauptrisikofaktoren bei der Entstehung der koronaren Herzkrankheit, der Todesursache Nummer eins in den Industrienationen. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen weiteren Folgeerkrankungen, die Übergewicht mit sich bringt: Diabetes mellitus, Gelenkerkrankungen, Depressionen und Störungen der Fruchtbarkeit sind nur einige Beispiele einer langen Liste.

Es gilt aber natürlich auch in diesem Fall: Wer in Maßen schlemmt und ab und zu aktiv Kalorien verbrennt, kann ohne schlechtes Gewissen zum Süßigkeitenteller greifen.

Unser liebster Wachmacher: 1,3,7-Trimethylxanthin!

Es hilft gut gegen Morgenmuffelei, das postprandiale Tief am Mittag und liefert Anschubenergie für durchtanzte Nächte: Koffein! Doch warum steigern koffeinhaltige Getränke wie z.B. Kaffee merklich das Wachheitsgefühl und die Konzentration?

Die molekulare Ähnlichkeit durch ein Puringrundgerüst in Koffein und Adenosin liefert die Antwort. Adenosin ist Teil des Energieträgers ATP (Adenosintriphosphat) und entsteht u.a. bei dessen Abbau. Als Neuromodulator im ZNS bindet es an Adenosinrezeptoren. Dadurch hemmt es in hoher Konzentration die Ausschüttung von Noradrenalin, Dopamin sowie Acetylcholin und führt zur Freisetzung von GABA: Wir kommen in einen Erholungs- und Ruhemodus und werden folglich müder.

Koffein bindet als Antagonist an Adenosinrezeptoren und hemmt diese kompetitiv. Dadurch kann Adenosin kein “Ermüdungssignal” mehr senden und die Spiegel von Noradrenalin, Dopamin und Acetylcholin – und damit die Aufmerksamkeit – bleiben unverändert hoch bzw. erhöhen sich.

An apple a day keeps the Skorbut away

Ausfallende Zähne, ständige Infekte, langsame Wundheilung - alles typische Symptome von Skorbut, einer Hypovitaminose, die durch einen Mangel an Vitamin C ausgelöst wird. Skorbut war bei den alten Seefahrern eine häufige und oft lebensbedrohliche Erkrankung, da deren Nahrung an Bord oft mehrere Monate lang haltbar sein musste und daher kaum frisches Obst oder Gemüse beinhaltete.

In den heutigen Industrienationen glaubte man Skorbut quasi ausgerottet - denn schon eine halbe Paprika oder eine Apfelsine am Tag decken die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesdosis an Vitamin C von 95 mg für Frauen bzw. 110 mg für Männer. Umso erschreckender, dass eine Diabetologin in Australien vor kurzer Zeit bei einigen ihrer Patienten Skorbut diagnostiziert hat. Auf Nachfrage gaben diese an, kein oder nur völlig verkochtes Obst und Gemüse zu essen.

Eine Vitamin-C-Substitution empfiehlt die DGE übrigens nicht: Lediglich schwer körperlich arbeitende oder extremer Kälte ausgesetzte Personen würden davon profitieren. Da überschüssiges Vitamin C nicht gespeichert, sondern über die Nieren ausgeschieden wird, besteht die Wirkung von Vitamin-C-Präparaten also v.a. in der Ausscheidung von ziemlich teurem und saurem Urin ;-).

Winterschlaf is coming

Die Tage werden kürzer und dahin ist die ganze Energie, mit der man im Sommer morgens aus dem Bett gehüpft ist und auch eine Vorlesung um acht kein Problem war. Eines ist klar: Je weniger Sonne wir abbekommen, desto müder fühlen wir uns. Aber warum ist das so?

Mit dafür verantwortlich ist die Zirbeldrüse (Glandula pinealis), eine kleine Drüse im Gehirn. Sie bildet aus dem wichtigen Monoamin Serotonin das müde machende Hormon Melatonin. Diese Reaktion wird lichtabhängig gesteuert. Je weniger Licht auf den Sehnerv trifft, desto mehr Melatonin wird synthetisiert und ausgeschüttet. Die Folge: Wir fühlen uns müde und abgeschlagen.

Man geht außerdem davon aus, dass eine heruntergesetzte Aktivität serotonerger Neurone eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Depressionen spielt. Substanzen, die die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt erhöhen, gehören bei deren Behandlung sogar zu den Medikamenten der ersten Wahl.

Lieber chillen als Pillen killen

Buntes Laub, Kastanien und kürzere Tage… es ist nicht mehr zu leugnen: Der Rekordsommer hat sich verabschiedet und die ersten kühlen Nächte haben bereits die Quälgeister Nr. 1 im Gepäck: Grippe- und Erkältungsviren! Viele Erkältungsgeplagte greifen gerne zu Kombipräparaten. Diese enthalten mindestens ein Analgetikum/Antipyretikum zur Fiebersenkung und Linderung der Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein Mittel mit abschwellender Wirkung auf die Nasenschleimhaut (z.B. Pseudoephedrin).

Eine schlichte Erkältung äußert sich jedoch zum Glück häufig nicht mit all diesen Symptomen. Daher sind einige der enthaltenen Wirkstoffe überflüssig, zeigen aber natürlich trotzdem ihre (Neben-)Wirkungen. Pseudoephedrin zum Beispiel stimuliert den Sympathikus: das macht kurzfristig leistungsfähiger, allerdings mit der Gefahr der Überanstrengung und dem Hinauszögern oder Verschlimmern des grippalen Infekts - im Extremfall bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen (wie einer Herzmuskelentzündung). Deshalb sind wir mit “Abwarten und Tee trinken” und einem Tag auf dem Sofa am besten beraten, wenn es uns erwischt hat.

Einen guten und gesunden Start in die dunkle, kalte und gemütliche Jahreszeit wünscht euch die AMBOSS-Redaktion!

Wenn der Kopf Karussell fährt

Karussellfahrten und Alkohol – der Schwindel, der einem nach einem Übermaß an beidem ereilt, wird jeweils durch widersprüchliche Wahrnehmungen der Sinneszellen von Augen, Gleichgewichtsorgan und Tiefensensibilität verursacht.

Nach einer Karussellfahrt melden Augen und Tiefensensibilität zwar Ruhe, die Bogengänge schwanken jedoch weiter. Das liegt an der Trägheit der Endolymphe, die sich auch bei Stillstand zunächst weiter bewegt.

Alkohol hingegen “verdünnt” die Dichte der Cupulae, woraufhin sie nun minimale Lageänderungen registrieren und als “Drehbewegung” interpretiert. Dies widerspricht den anderen Sinneseindrücken des Körpers – die Folge ist ein Schwindelgefühl. Deswegen hilft es auch, bei alkoholbedingtem Schwindel die Augen zu schließen und aufrecht zu sitzen. Dadurch werden die Bogengänge nicht aktiviert und das Gehirn erhält weniger widersprüchliche Informationen.

Funktion des Vestibularorgans (in AMBOSS)

Endolymphe (in AMBOSS)

Bei Hitze denkt es sich langsamer

Dass extreme Hitze ältere und kranke Menschen gefährdet, ist bereits bekannt. Forscher in Harvard fanden nun heraus, dass auch die Hirnleistung junger, gesunder Menschen von Hitzewellen beeinflusst wird. Dafür verglichen sie die morgendliche Reaktionszeit von Studenten. Diejenigen, die über eine Klimaanlage in ihrem Schlafzimmer verfügten, zeigten morgens eine signifikant bessere kognitive Leistung als die Studenten, deren Gehirn nachts durchschnittlich 5 °C höheren Temperaturen ausgesetzt war.

Die Ergebnisse sollen auch zeigen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die globale Gesundheit haben könnte und dazu anregen, angesichts zunehmender Hitzewellen nachhaltigere Kühlungssysteme zu schaffen.

Um auch bei Hitze leistungsfähig zu bleiben, empfiehlt es sich vor allem viel zu trinken und anstrengende Arbeit möglichst zu den kühleren Tageszeiten zu verrichten.
Und vielleicht kannst du ja mithilfe der Studie die Anschaffung einer Klimaanlage in eurer Bibliothek durchsetzen ;-)

Wärmehaushalt (in AMBOSS)

Move your body!

Lange Tage (und Nächte) in der Bibliothek und auf engen Hörsaalbänken hinterlassen auf Dauer ihre Spuren. Tatsächlich kann sich Bewegungsmangel aber nicht nur negativ auf den Körper auswirken, sondern auch auf die Psyche. 

So zeigte eine 2017 veröffentlichte prospektive Kohortenstudie aus Norwegen, dass etwa 12% der im Verlauf der Studie auftretenden Depressionen bei Erwachsenen bereits durch 1 Stunde körperliche Aktivität pro Woche vermeidbar gewesen wären. Auch in der entsprechenden EU-Leitlinie werden die zahlreichen Vorteile körperlicher Aktivität betont, u.a. ein geringeres Risiko für Depressionen, Demenz, kardiovaskuläre Erkrankungen und maligne Tumoren. Sie empfiehlt für Kinder mind. 1 Stunde und für Erwachsene mind. 30 Minuten körperliche Betätigung mäßiger Intensität pro Tag. Dabei gilt jedoch: Jegliche Bewegung ist besser als gar keine, auch wenn man das Mindestziel nicht immer erreicht.

Also nimm dir Zeit für Bewegung und tu dir damit selbst etwas Gutes, auch in stressigen Phasen des Studiums!

Mehr zum Thema Trainingseffekte und physiologische Anpassungen bei körperlicher Belastung findest du übrigens im Kapitel Leistungsphysiologie.

Ins Ausland mit Ärzte ohne Grenzen e.V.

Viele Medizinstudierende spielen mit dem Gedanken, später einmal bei Nothilfeorganisationen wie bspw. Ärzte ohne Grenzen mitzuarbeiten – vielleicht bist ja auch du unter ihnen. Ob man selbst für einen solchen Einsatz geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab.

So sollte man sich z.B. darüber bewusst sein, dass man für einen längeren Zeitraum von zumeist 9–12 Monaten in einem fremden, häufig politisch instabilen Land mit extrem hoher Verantwortung unter teilweise widrigen Bedingungen arbeitet. Hierfür ist es natürlich wichtig, dass man bereits eine Menge praktische Erfahrung, vorrangig in Chirurgie, Notfallmedizin, Infektiologie, Gynäkologie oder Pädiatrie, gesammelt hat. Wichtig sind außerdem viel Improvisationstalent und natürlich die (physische wie psychische) Eignung für Reisen in ferne Länder.

Finanziell lohnend ist die Arbeit bei Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen natürlich nicht, aber in persönlicher Hinsicht ist eine solche Erfahrung unglaublich bereichernd und damit wohl einfach unbezahlbar :-)

Wenn du mehr über die Mitarbeit in einem solchen Projekt erfahren willst, kannst du dich über die Homepage von Ärzte ohne Grenzen informieren oder am besten direkt an einem der regelmäßig in vielen deutschen Städten stattfindenden Infoabende teilnehmen. Dort erzählen dir Ärzte von ihren Erfahrungen im Einsatz und beantworten alle deine Fragen.

Eine (lebens-)wichtige Entscheidung

Das Thema Organspende in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, ist das Anliegen des Tags der Organspende, der seit 36 Jahren am ersten Samstag im Juni stattfindet. An diesem Tag soll insbesondere den Organspendern und ihren Angehörigen gedankt werden. Gleichzeitig dient er auch als Aufruf, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Denn nicht grundlos weckt es bei vielen Menschen Ängste und Zweifel, mindestens wirft es Fragen auf. Deshalb müssen dem Einzelnen genügend Informationen zur Verfügung gestellt werden, z.B. über die Kriterien zur Feststellung des Hirntods des potentiellen Spenders, den Ablauf einer Organspende oder auch darüber, welche Richtlinien gelten, damit ein potentieller Transplantatempfänger auf die Warteliste aufgenommen wird. Mit diesen Informationen fällt es dem Einen oder Anderen dann vielleicht leichter, eine Entscheidung zu treffen – ob für oder gegen Organ- und Gewebespende.

Unspezifisches Immunsystem - MHC-Gene (in AMBOSS)

Transplantation (in AMBOSS)

Auf organspende-info.de kannst du dir den Organspendeausweis kostenfrei bestellen oder direkt ausdrucken und dich noch weiter über das Thema informieren.