Das Ende der Wartezeitquote?

“Regeln für die Verteilung knapper Studienplätze haben sich grundsätzlich am Kriterium der Eignung zu orientieren.” Laut einem Urteil des Verfassungsgerichts vom Dezember 2017 ist das aktuelle Zulassungsverfahren zum Medizinstudium teilweise verfassungswidrig, u.a. weil der Gesetzgeber den Hochschulen ein eigenes Kriterienerfindungsrecht überlässt. Daher fordert das Gericht bis Ende 2019 eine Erneuerung. 

Debattiert wird nun über die Abiturbestenquote (Abiturnote 1,0–1,1; 20% der Studienplätze) und hochschuleigene Vergabeverfahren (60% der Plätze), während die Wartezeitquote (aktuell 14–15 Semester; 20% der Plätze) durch eine sog. “Talentquote” ersetzt werden soll. Ergebnisse in Studierfähigkeitstest, Motivation, Empathie, medizinische Erfahrung: Welche Kriterien sollten abgeschafft, geändert oder ergänzt werden? Wie können sie gemessen und gewichtet werden und wer wird in den Prozess eingebunden? 

Heute werden die Eckpunkte der Änderungen auf der Kultusministerkonferenz festgelegt. Es wird sich zeigen, ob darauf die revolutionäre Reformation folgt oder diese an der technischen Umsetzung und dem Zeitdruck scheitert.