Studientelegramm

Verbessert Fallschirmnutzung das klinische Outcome nach Sprung aus einem Flugzeug?

Nicht für alle sinnvollen Maßnahmen besteht Evidenz. Eine kürzlich publizierte, wunderbar selbstironische Studie untersuchte daher die obige Fragestellung. Selbstverständlich randomisiert-kontrolliert, nach allen Regeln der Kunst.

Weiterlesen im Studientelegramm…

Tipp für die mobilen App-Versionen: Sollten Links im Feed nicht funktionieren, bitte die Bibliothek aktualisieren!

Medizin-Nobelpreis für die “Immuncheckpoint-Inhibitoren”

Gestern wurden die diesjährigen Nobelpreisträger in der Medizin bekannt gegeben. Auch von uns einen herzlichen Glückwunsch an James P. Allison und Tasuku Honjo, die gemeinsam für die Entwicklung der sog. “Immuncheckpoint-Inhibitoren” ausgezeichnet wurden.

Diese monoklonalen Antikörper richten sich gegen die von T-Zellen exprimierten Rezeptoren PD-1 und CTLA4, die physiologischerweise ein hemmendes Signal auf die Immunantwort vermitteln. Das Andocken der Antikörper bewirkt eine Aktivierung der zytotoxischen T-Zell-Immunreaktion gegen Tumorzellen. Der revolutionäre Ansatz besteht also darin, dass das körpereigene Immunsystem aktiviert wird, um die Krebszellen zu bekämpfen.

Und während Nobelpreise oft weit in der Zukunft liegende Therapieansätze auszeichnen, haben die Immuncheckpoint-Inhibitoren mit Pembrolizumab bereits Eingang in die Therapie des metastasierten malignen Melanoms gefunden. Auch beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom ist die Anwendung schon heute möglich. Über die Zulassungsstudie hierzu haben wir in Studientelegramm Nr. 30 berichtet.

Therapie der Wahl = Qual der Wahl?

Die Bedeutung kalkulierter antibiotischer Therapiekonzepte steigt, denn mit dem vermehrten Aufkommen von Infektionen durch multiresistente Keime entscheidet die Auswahl des richtigen Antibiotikums über Leben und Tod.

Damit Reserveantibiotika ihrem Namen alle Ehre machen können, gibt das AMBOSS-Antibiotikamosaik sekundenschnelle Übersicht über antibiotische Therapiemöglichkeiten in Abhängigkeit vom anzunehmenden Erregerspektrum.

Im Studientelegramm Nr. 32 stellen wir außerdem den Newcomer Ceftazidim/Avibactam vor.

Praktische Empfehlungen zum Management von Problemkeimen finden sich hier:

Multiresistente Erreger: Risikofaktoren und Therapieoptionen

Exkurs digitale Medizin: Studientelegramm Herzinfarkt-Früherkennung durch Algorithmen?

Dass die Netzhaut bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder arterieller Hypertonie ein Spiegel des Herzens ist, hat sich jetzt eine Google-Forschungsgruppe zu Nutze gemacht. 
In einer in der Nature veröffentlichten Studie präsentierten die Forscher einen selbstlernenden Algorithmus, der über den Vergleich wiederkehrender Muster im Netzhautbefund Aussagen über das kardiovaskuläre Risikoprofil eines Menschen ermöglichen soll. So bestimmte der Algorithmus in 78% der Fälle durch die Analyse des Augenhintergrundes das Probandenalter auf +/- 5 Jahre genau.


In einem nächsten Schritt wurde getestet, wie gut der Algorithmus das Risiko eines Major Cardiovascular Events (d.h. Herzinfarkt oder Schlaganfall) im Vergleich zu dem etablierten Risikoscore der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (HeartSCORE) vorhersagen kann. Hier erkannte der Algorithmus durch die Analyse der Netzhaut 70% der Probanden, die in den folgenden 5 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. Der HeartSCORE, der sich aus einer Kombination der wichtigsten Risikofaktoren berechnet, war hier mit 72% leicht überlegen.
Über die Analyse des Algorithmus selbst erhofft sich das Forschungsteam weitere Erkenntnisse über bisher unbekannte Zusammenhänge kardialer Risikofaktoren.


Ansätze wie diese sind noch weit davon entfernt, in die praktische Prävention implementiert zu werden. Außerdem würden selbstlernende Algorithmen, die in der Lage sind, aus einer riesigen Masse von Daten wie in einer “Black Box” Rückschlüsse auf persönliche Gesundheitsvariablen zu ziehen, viele ethische und gesellschaftspolitische Fragen aufwerfen.
Ob in Zukunft die Früherkennung von Risikopatienten schon vor dem Auftreten erster Symptome möglich sein wird, steht daher bislang noch in den Sternen.


Interessenskonflikte der Autoren: Die Studie wurde von Google-Mitarbeitern durchgeführt und von Google Research finanziert.
 

Titel der Studie: Prediction of cardiovascular risk factors from retinal fundus photographs via deep learning

Autoren: Poplin et al.

Link zur Studie

Der HeartSCORE Risikoscore der European Society of Cardiology (ESC)

Danke für den Fisch? Omega-3-Fettsäuren und kardiovaskuläre Ereignisse (Studientelegramm)

Beobachtungsstudien suggerieren, dass erhöhter Fischkonsum kardioprotektiv sei. Dieser Zusammenhang wird zumeist auf den hohen Anteil von langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (insbesondere Omega-3-Fettsäuren) in Fisch zurückgeführt. Die Omega-3 Treatment Trialists’ Collaboration konnte jetzt in einer Metaanalyse aller randomisierten Studien bei 77.917 Studienteilnehmern (von denen zwei Drittel eine koronare Herzerkrankung aufwies) keinen signifikanten Einfluss der regelmäßigen Gabe von Omega-3-Fettsäuren auf das Auftreten von Myokardinfarkten, Schlaganfällen oder anderen kardiovaskulären Ereignissen erkennen.

Diese und weitere Zusammenfassungen zu aktuellen Studien finden sich im neuesten Studientelegramm von HOMe-Academy und AMBOSS.

Anmeldung zum kostenfreien Newsletter: Studientelegramm (Internistische Studien und Publikationen)

Aktuelles Studientelegramm im AMBOSS-Archiv

Mehr Herzinfarkte durch Influenzainfektion (Studientelegramm)

Atherosklerose ist ein entzündlicher Prozess. Experimentelle und klinische Arbeiten weisen auf ein erhöhtes Risiko von Plaquerupturen durch akute Infektionen hin. Dass Grippeinfektionen mit akuten Myokardinfarkten assoziiert sind, wird seit vielen Jahren postuliert. Erstmals haben die Autoren einer Fall-Kontroll-Studie an 364 Myokardinfarkt-Patienten nun untersucht, ob die laborchemisch bewiesene Influenzainfektion mit einem erhöhten Risiko für einen Myokardinfarkt assoziiert ist ...


Diese und weitere Zusammenfassungen zu aktuellen Studien finden sich im neuesten Studientelegramm von HOMe-Academy und AMBOSS.
 

Anmeldung zum kostenfreien Newsletter: Studientelegramm

Aktuelles Studientelegramm im AMBOSS-Archiv

Wo ist die Grenze zwischen gesund und krank?

Von Fachgesellschaften in Leitlinien festgesetzte Grenzwerte verschieben mitunter die Grenze zwischen krank und gesund mit ungeahnten Auswirkungen. Ein gutes Beispiel ist die Senkung des Grenzwertes für arterielle Hypertonie in den USA auf ≥130/80 mmHg (ausgehend von der Leitlinie der American College of Cardiology und der American Heart Association), wodurch beinahe die Hälfte der erwachsenen US-Bürger als krank gelten. Die Dimensionen dieser Maßnahme für die Gesellschaft werden wahrscheinlich erst in einigen Jahren deutlich. Es bleibt abzuwarten, wie die deutschen Fachgesellschaften und Gremien auf diese Vorlage reagieren werden.

Arterielle Hypertonie - Definition

Studientelegramm 06-2017

Studientelegramm 02-2018

Phenprocoumon, Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban … zu viele Optionen bei der therapeutischen Antikoagulation?

Früher hieß es “Marcumar oder Heparin”. Mit den direkten oralen Antikoagulantien wird das Thema Antikoagulation unübersichtlicher. Im klinischen Alltag sollte die Wahl bei Vorhofflimmern, Lungenembolie und Co. aber dennoch nicht zur Qual werden. Zum Teil sind die Optionen gleichwertig; es kristallisieren sich aber auch immer mehr Vor- und Nachteile der einzelnen Substanzen heraus. Zum Auffrischen gibt es hier ein paar interessante Links:

Therapeutische Antikoagulation mit DOAK in AMBOSS

HOMe-AMBOSS-Studientelegramm: Die Qual der Wahl: Welches Antikoagulans zur Schlaganfallprophylaxe bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern?

Direkte orale Antikoagulanzien (KBV in Wirkstoff Aktuell 10/2017)

Opioidabhängigkeit nach einer Tumor-OP

Die Opioidüberdosierung war 2016 die häufigste Todesursache von Menschen unter 50 Jahren in den USA, weshalb sogar der nationale Notstand ausgerufen wurde. Im Studientelegramm 04-2017 wird in diesem Zusammenhang eine Studie vorgestellt, die die Opioidabhängigkeit nach Tumoroperation kritisch beleuchtet:

Link zur Studie (Lee et al.: New Persistent Opioid Use Among Patients With Cancer After Curative-Intent Surgery. Journal of Clinical Oncology, 2017)

Studientelegramm 04-2017

OpioideOpioid-Intoxikation

Anmeldung zum Studientelegramm